Theresia Enzensberger´s Roman Blaupause behandelt die Anfänge der Bauhaus-Jahre in Weimar und Dessau zwischen 1921 und 1926. Das Buch erschien als Hardcover 2017 im Hanser Verlag und als Taschenbuch 2018 im dtv-Verlag. 

Luise Schilling kommt aus einer gut situierten Familie im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Anfang der Zwanzigerjahre beginnt sie ihr Studium am Bauhaus in Weimar. Dort studiert sie unter einflussreichen Personen wie Walter Gropius und Wassily Kandinsky. Luise ist jung, ehrgeizig und voller Ideen und auf der Suche nach Gleichgesinnten. 

Luise setzt sich stark mit dem Bauhaus-Milieu auseinander, sie geht ihr Studium interessiert und wissbegierig an. Außerdem ist sie für die damalige Zeit äußerst emanzipiert und weigert sich, nach den Vorstellungen ihrer Eltern, einen Mann zu heiraten, nur um finanziell abgesichert zu sein. Luise möchte sich selbst verwirklichen, ihr eigenes Geld verdienen und ihre Pläne umsetzen.

„Immerhin hab ich jetzt Gewissheit. Gewissheit darüber, dass all die Regeln, Bräuche und Rituale dieser Gruppe letztlich nicht mehr sind als Instrumente, um andere Leute auszuschließen. Gewissheit darüber, dass mein Unverständnis seine Berechtigung hatte, und zwar abseits von meinen eigenen intellektuellen Grenzen. Darüber, dass ihre Gedankenwelt, die mir so anziehend erschien, an der Realität scheitern muss, eben weil sie so weltvergessen ist.“

Während ihrer Studienzeit in Weimar, später Dessau, begegnet sie den Itten-Jüngern, welche Mönchskutten tragen und die zweifelhafte Mazdaznan-Lehre predigen, die eine Nähe zum Nationalsozialismus aufweist. Sie verliebt sich in einen Jungen der Anhänger, wird einer Clique zugehörig und kämpft um ihren Platz am Bauhaus. Nachdem sie sich von der Gruppierung abzugrenzen versucht, lernt sie neue Freunde kennen, die ihr zunächst wohlgesonnen scheinen. Neben zwischenmenschlichen Enttäuschungen und beruflichen Rückschlägen, wird sie mit dem aufkommenden Faschismus konfrontiert. 

Enzensberger schreibt eindringlich, klug und regt zum Nachdenken an. Sie gibt einen tiefen Einblick in die Baushaus-Szene, macht ihre Leser mit deren prägenden Persönlichkeiten bekannt und vereint die Euphorie der Zwanzigerjahre mit der aufkommenden rechten Bewegung. Hin und wieder erscheint die Protagonistin bezüglich der Auswahl ihrer Freunde recht naiv, was der Geschichte im Gesamten aber keinen Abbruch tut.

Besonders für Interessierte der Kunstszene ist dieser Zeitsprung in das Deutschland der Zwanzigerjahre sicherlich eine Reise wert. Aber auch ohne einen Bezug zu Kunst und Architektur macht das Lesen Spass und vermittelt einen Eindruck der damaligen Zeit. Die modernen Denkweisen vieler Bauhaus-Studenten, aber auch die Gefahren, sich zwielichtigen Gruppen anzuschließen werden deutlich. 

Die Autorin nimmt ihre Leser mit auf eine spannende Zeitreise zwischen Aufbruchsstimmung und der nahenden Machtergreifung der NSDAP.

Theresia Enzensberger wurde 1986 in München, Deutschland geboren. In New York studierte sie Film- und Filmwissenschaft und zog 2011 anschließend nach Berlin. Sie schreibt als freie Journalistin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Zeit und Zeit Online. Zudem verfasst sie Kolumnen.

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Theresia Enzensberger: Blaupause. Roman. dtv Verlag, München 2019. 256 Seiten. 10.90€.  

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