Tara Isabella Burton

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Lesemonat
Mai 2019

Es ist wieder Zeit für einen Leserückblick, denn der Mai ist auch wieder Vergangenheit. Im Gegensatz zu den eher schwachen Lesemonaten März und April ging es im Mai zumindest etwas aufwärts. Ich war zu Beginn durch eine fette Leseflaute geplagt, sodass es sehr langsam voran ging. Gegen Ende aber konnte ich dann noch einige Bücher lesen und hatte wieder viel Freude daran.

Sex, Drugs & Rock´n Roll

. . . diese ersten Worte fallen mir zu Alles, was ich weiß über die Liebe von der britischen Journalistin Dolly Alderton ein. In ihrem ersten Buch beschreibt diese ihre Findungsphasen während der Adoleszenz, den Wert von Freundschaften, nagende Selbstzweifel und die ersten Erfahrungen mit Männern. Ich konnte nach anfänglichen Schwierigkeiten gut in die Geschichte hinein finden, wurde aber nie ganz warm mit dem Buch. Der Schreibstil ist nicht besonders und es wird keine Story sein, die mir lange im Gedächtnis bleibt. Dennoch verbergen sich wichtige Messages in den Gedanken der Autorin, die besonders für sehr junge Menschen spannend sein könnten. Hier könnt ihr nochmal im Detail nachlesen.

Erschreckend realistisch 

Mein zweites Buch im Mai war das lang ersehnte So schöne Lügen von Tara Isabella Burton, welches seit Anfang des Jahres in meinem Regal stand. Durch die Sperrfrist, die bis Mitte Mai galt, musste ich mich nun in Geduld üben. Es geht darin um die Beziehung zweier sehr unterschiedlicher junger Frauen, die sich in New York kennen lernen und fortan den größten Teil ihres Lebens miteinander verbringen. Louise ist eher schüchtern und hat wenig Geld, während Lavinia die extrovertierte Dramaqueen ist, die im Luxus lebt. Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass die „Freundschaft“ vor allem durch Macht und Kontrolle geprägt ist, sodass es ein schockierendes Ende nehmen muss. Mir haben sowohl die Charaktere als auch die Story selbst sehr gefallen. Ein wirklich böses Buch! Hier mehr zu meiner Meinung. 

Englische Küstenstadt

Ein kleiner Küstenort in Cornwall, England. In St. Piran leben genau dreihundertsieben Menschen die vorwiegend als Fischer, Dorflehrer und Strandgutsammler tätig sind.  Eines Tages wird ein Wal gesichtet und ein Unbekannter am Strand angespült, der den Bewohnern zunächst Rätsel aufgibt. Ein absolutes Wohlfühlbuch, dass ich jedem ans Herz legen kann. Das Setting ist traumhaft, die Figuren sehr sympathisch und die Handlung besticht durch kluge und menschliche Dialoge. Meine Rezension findet ihr hier.

 

Drei Frauen, drei Geschichten

Auch habe ich nun endlich, endlich Der Zopf von Laetitia Colombani gelesen. Darin schildert die Autorin die Geschichten dreier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und an Wendepunkten in ihrem Leben stehen. Smita, die mit ihrer Tochter Lalita in Indien lebt und ihrem leidvollen Leben zu entfliehen versucht, Sarah aus Kanada, die sich als erfolgreiche Geschäftsfrau einen Namen gemacht hat und sich nun mit einer schweren Diagnose auseinandersetzen muss und Giulia aus Italien, die den Betrieb ihres verstorbenen Vaters zu retten versucht. Wunderschön geschrieben. Sehr emphatisch, einfühlsam und kurzweilig. Unbedingt lesenswert. Hier lest ihr, warum.

Immer wieder nachts

Unsere Seelen bei Nacht von Kent Haruf werdet ihr sicher alle mehr oder weniger kennen. Erzählt wird von zwei Siebzigjährigen, die seit Jahrzehnten in der gleichen Nachbarschaft leben, sich aber kaum kennen. Addie und Louis sind verwitwet und führen ein einsames Leben. Bis eines Tages Addie die Idee hat, dass Louis sie nächtlich besuchen könnte um zu reden und Zweisamkeit zu teilen. Mich hat die Geschichte so sehr berührt, dass ich das Buch schon jetzt zu einem meiner Highlights in diesem Jahr zähle. Meine ganze Rezension gibts hier

Statistische Werte

Der Lesemonat Mai war, wie eingangs erwähnt, schon erfolgreicher als die acht Wochen zuvor. Das lag an meiner überstandenen Leseflaute und diesen fünf Büchern. Gelesen habe ich im letzten Monat 1631 Seiten und habe im Schnitt 3,5 Sterne vergeben. Gebraucht habe ich durchschnittlich 3,5 Tage für ein Buch. Drei der fünf Bücher habe ich selbst gekauft und zwei waren Rezensionsexemplare. Ich bedanke mich an dieser Stella natürlich wieder bei den Verlagen, welche mir Bücher zur Verfügung gestellt haben. Das sind in diesem Fall der Fischer- und der Dumont-Verlag, danke!


Jetzt bin ich gespannt auf euren Lesemonat Mai!

*Die Rechte an den Bildern liegen bei den jeweiligen Verlagen

Tara Isabella Burton
So schöne Lügen

*Rezensionsexemplar.

So schöne Lügen ist ein Roman der amerikanischen Schriftstellerin Tara Isabella Burton, welcher im Mai 2019 im Dumont Verlag erschienen ist. Die Protagonistin des Buches, Louise, versucht sich in New York durchzuschlagen, was zunächst zu gelingen scheint. Schnell aber gerät sie in den Strudel sozialer Abgründe.

Louise ist zwanzig Jahre alt und gerade in die amerikanische Metropole gezogen. Mit Gelegenheitsjobs hält sie sich finanziell über Wasser und lernt so Lavinia kennen, die ganz anders ist als Louise. Sie wohnt auf der Upper East Side, führt ein glamouröses Leben und muss sich um Finanzen keine Sorgen machen. Lavinia und Louise werden enge Freundinnen, die fast ihre gesamte Zeit miteinander verbringen. Lavinia hat eine ausgefallene, schwierige Persönlichkeit, was Louise zunächst aufregen findet. Bald muss sie jedoch feststellen, dass die Verbindung zu Lavinia vor allem durch Macht und Abhängigkeit geprägt ist.

Während Lavinia in Saus und Braus lebt, ihren Lebensstil von ihren Eltern finanziert bekommt und in superteuren Klamotten Partys feiert, ist Louise darauf angewiesen Nachhilfeunterricht zu geben und in einem Café zu jobben. Louise hat einen Traum, sie möchte Schriftstellerin werden und hat sich für dieses Vorhaben New York als Wahlheimat ausgewählt. Die Stadt übt mit ihrer Imposanz einen großen Reiz auf sie aus und auch die Verbindung zu Lavinia tut ihr anfangs gut. Irgendwann aber bleiben nur noch oberflächliche Gespräche, uncharmante Bekannte von Lavinia, durchzechte Nächte in Clubs, in denen Louise immer öfter auf Drogen zurückgreift und die Launen Lavinias, die immer mehr zu Klammern beginnt und Louise für sich vereinnahmt.

„Und das Einzige, was man tun kann, ist der zu sein, der man ist, und das ist das Beste und das Schlechteste auf der Welt und vielleicht alles, was Louise je gewollt hat.“

Obwohl Louise ehrgeizig war und täglich an ihrem ersten Buch schreiben wollte, gerät dieses Vorhaben immer mehr in den Hintergrund. Sie verliert ihren ersten Job, weil sie immer öfter zu spät kommt und sich ganz Lavinia verschreibt. Louise zieht bei ihrer Freundin ein und lebt fortan größtenteils auf deren Kosten, weshalb sie sich verpflichtet fühlt, Lavinia auf ihre Partys und diversen Veranstaltungen zu begleiten, auch wenn sie keine Lust hat oder müde ist. Für Louise ist Lavinia lange das Beste, was ihr passieren konnte. Das schillernde, intensive Leben wird aber mehr und mehr zur Gefahr und endet in einer Katastrophe.

Burton ist es gelungen, einen temporeichen, intensiven und verstörenden Roman zu schreiben, der die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die großes Talent und große Ambitionen hat, diese aber gegen ein Leben im Luxus eintauscht, in dem Glauben, dadurch voran zu kommen. Die Charaktere sind selten sympathisch, aber gerade dadurch äußerst brisant und mit dem Thema harmonierend gezeichnet. Das Buch aus der Hand zu legen fällt schwer, weil die Geschichte immer mehr an Fahrt aufnimmt und die menschlichen Abgründe aufzeigt.

Die häufig sehr vulgäre, grobe Sprache ist zunächst gewöhnungsbedürftig, passt aber zum Setting und dem Inhalt von So schöne Lügen. Das Besondere sind die Fassaden, mit denen die Figuren dem Leser begegnen. Nicht viel ist wie es zunächst scheint und zurück bleibt ein bedrückendes Gefühl aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse und dem überraschenden Ende.

Ein Buch das schockiert und betroffen macht, aber immer den Nerv der Zeit trifft.

Tara Isabelle Burton wurde 1990 in New York, USA geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend sowohl in Amerika als auch in Italien und Frankreich. Burton studierte Theologie und Romanistik. Anschließend schrieb sie Texte für verschiedene Magazine. 2012 bekam sie den Shiva Naipaul Memorial Prize und 2016 den Lowell Thomas Award. Sie arbeitet als Redakteurin beim Nachrichtensender Vox.

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Tara Isabella Burton: So schöne Lügen. Roman. Social Creature. Aus dem Amerikanischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann. Dumont Buchverlag, Köln 2019. 336 Seiten. 22€.