Samstag, April 20th 2019

Herzensbücher #3
Laura Barnett
Ein Leben aus leuchtenden Tagen

Bücher, die nachdenklich machen, fesseln und unter die Haut gehen, die einen nicht mehr los lassen und einen besonderen Platz im Herzen einnehmen, das sind ganz besonders wertvolle Werke. Jeder der gern liest, wird Bücher kennen, die ihm besonders wichtig sind, die ihn geprägt haben und die unvergesslich bleiben. Nennen wir sie doch einfach Herzensbücher. Denn so lautet die wunderbare Aktion von Janika und Sabrina. Die Beiden hatten die schöne Idee, ihren Herzensbüchern mehr Raum zu geben. Dieser guten Sache schließe ich mich (endlich) auch an.

Das dritte Mal bereits stelle ich euch eines meiner Herzensbücher vor und bin nach wie vor sehr glücklich darüber. In diesem Monat ist es Ein Leben aus leuchtenden Tagen von Laura Barnett. Dabei handelt es sich um ein sehr bewegendes Buch, welches mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hat. Thematisiert wird das turbulente Leben der Sängerin und Songschreiberin Cassandra Wheeler. Nach langer und erfolgreicher Zeit auf der Bühne wird es ruhig um das britische Talent, was ihre Fans spekulieren lässt. Cassandra, genannt Cass kehrt Jahre später mit einem ganz besonderen Album zurück auf die Bühne. Wie der Originaltitel verrät, veröffentlicht Cassandra all die Songs, die sie je geschrieben hat und lässt in ihren Greatest Hits ihre Vergangenheit Revue passieren.

Das Aufnehmen des neuen Albums und gleichsam ihres musikalischen Comebacks löst bei Cassandra viel Emotionen aus. Erinnerungen an glückliche aber auch schwere Tage werden wach und dem Leser auf beeindruckende Weise geschildert. Ihre Lieder handeln hauptsächlich von unglücklichen Beziehungen, dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter und ihrer eigenen Tochter. Sie handeln auch von der Ursache des rätselhaften Karriereabbruchs und machen so deutlich, welche Lasten die damals junge Frau zu tragen hatte und was schließlich zu ihrem Entschluss führte, der Bühne den Rücken zu kehren.

Laura Barnett ist mit ihrem musikalischen Roman ein sehr überzeugendes Buch gelungen. Cassandra Wheeler ist mir von Beginn an sympathisch gewesen und schnell ans Herz gewachsen. Ihre erfrischende, mutige Art und ihr Ehrgeiz reißen mit, ich habe in ihren schwersten Zeiten mit ihr mitgefiebert, war oft den Tränen nahe und habe sie für ihre Entscheidungen hin und wieder sehr bewundert. Eine starke Frau, die sich in bitteren Zeiten immer wieder für das Leben entschieden hat. Die Figuren sind durchweg verschieden, es vereint sie aber die große Leidenschaft für die Musik.

Ein Leben aus leuchtenden Tagen ist kraftvoll, inspirierend, laut und mutig geschrieben. Die Protagonistin gleicht einer besten Freundin, versprüht Authentizität und Menschlichkeit. Auch wer selbst, so wie ich, wenig von der Musik versteht, kann sich auf eine spannende, rührende und abenteuerreiche Geschichte freuen, die von Liebe, Schmerz, Trauer und Freundschaft erzählt und damit keinen Leser unberührt lassen dürfte.

Der flüssige, ansprechende Schreibstil, die Figuren und Handlung selbst, sowie die emotionalen Songtexte, welche jedes neue Kapitel einleiten machen diese in Musik verpackte Lebensgeschichte für mich zu einem großen Highlight und somit einem absoluten Herzensbuch.

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Teilnahmebedingungen im Überblick

# Die Herzensbücher werden immer zum 20. des Monats auf dem Blog, bei Instagram oder Twitter vorgestellt

# Jeder Teilnehmer beschreibt, warum gerade dieses Buch ein Herzensbuch für ihn ist

# Der Beitrag sollte maximal 500 Wörter haben

# Janika und Sabrina sollten als Gründerinnen natürlich im Beitrag verlinkt werden


Laura Barnett: Ein Leben aus leuchtenden Tagen. Roman. Greatest Hits. Kindler Verlag, Berlin 2018. Aus dem Englischen von Barbara Ostrop. 560 Seiten. 19.95€.

Mittwoch, März 20th 2019

Herzensbücher #2
Andrea Kraft
Hummeln fliegen auch bei Regen

Bücher, die nachdenklich machen, fesseln und unter die Haut gehen, die einen nicht mehr los lassen und einen besonderen Platz im Herzen einnehmen, das sind ganz besonders wertvolle Werke. Jeder der gern liest, wird Bücher kennen, die ihm besonders wichtig sind, die ihn geprägt haben und die unvergesslich bleiben. Nennen wir sie doch einfach Herzensbücher. Denn so lautet die wunderbare Aktion von Janika und Sabrina. Die Beiden hatten die schöne Idee, ihren Herzensbüchern mehr Raum zu geben. Dieser guten Sache schließe ich mich (endlich) auch an.

Zum zweiten Mal nun nehme ich an der Herzensbuch-Aktion teil und möchte euch ein weiteres meiner Lieblingsbücher näher bringen. Vorweg sei gesagt, dass es mich aus persönlichen Gründen sehr berührt und auch geprägt hat. Es handelt von einer jungen Frau, welche an Depressionen und damit einhergehenden Panikattacken leidet. Da ich selbst gut weiß wie unangenehm Panikattacken sein können, weiß ich auch, wie deplatziert Aussagen und Darstellungen – gerade in der Literatur – diesbezüglich oft sind.

Hannah ist Mitte dreißig und depressiv. In aller Regelmäßigkeit muss sie sich mit plötzlich auftretenden Panikattacken auseinandersetzen, die es ihr oft schwer machen, einen normalen Alltag zu führen. Nach dem Auffinden ihres alten Tagebuches in welchem Hannah ihre Träume von einst aufgeschrieben hat, findet ein Umdenken statt. Sie möchte ihre Wünsche in die Tat umsetzen und muss feststellen, dass ihre Ängste ihr zwar zunächst einen Strich durch die Rechnung machen, es sich aber doch lohnt sich diesen zu stellen.

„Wahres Leben entsteht im Herzen.“

Wie oft habe ich Texte gelesen, in denen die Thematik verharmlost und bagatellisiert wird oder der Erkrankung so viel Raum gegeben wird, dass sie die ganze Persönlichkeit des Betroffenen auszumachen scheint. Es gibt hier meist nur Extreme, die den Kern in keinster Weise treffen. Faktisch ist und bleibt es eine Krankheit, die sich niemand aussucht, die professionelle Unterstützung erfordert, aber wegen derer kaum ein Betroffener eine spezielle Behandlung durch seine Mitmenschen wünscht. Körperlich Kranken wird, aus persönlicher Erfahrung, auch heute noch häufig mehr Verständnis entgegen gebracht als psychisch Erkrankten. Seelisches Leiden ist für die Meisten nicht greifbar und dementsprechend verliert es an Relevanz.

Andrea Kraft litt selbst lange Zeit unter Depressionen und Angstattacken, sodass sie sehr authentisch und einfühlsam, aber auch aufrüttelnd und schonungslos beschreibt, was eine solche Erkrankung mit einem Betroffenen macht und wie er lernen kann sich mit der Depression zu akzeptieren, diese als Teil seiner selbst zu betrachten und Strategien zu entwickeln, letztendlich die Oberhand über diese zu gewinnen. Krafts Protagonistin Hannah durchläuft Phasen der Erleichterung, des Glücks und der Zuversicht, muss aber auch oft gegen Niedergeschlagenheit und Lethargie ankämpfen.

Hummeln fliegen auch bei Regen ist mutmachend und wertschätzend geschrieben, sodass ich mich als Leserin angenommen und verstanden fühlte. Jeder Betroffene wird sofort spüren, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht. Schnell verliert man sich in Selbstmitleid und beginnt, sich von der Außenwelt zu isolieren. Die Kernaussage des Romans: Nimm die Krankheit an und nimm sie ernst, aber lass dein Leben nicht von ihr bestimmen!

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Teilnahmebedingungen im Überblick

# Die Herzensbücher werden immer zum 20. des Monats auf dem Blog, bei Instagram oder Twitter vorgestellt

# Jeder Teilnehmer beschreibt, warum gerade dieses Buch ein Herzensbuch für ihn ist

# Der Beitrag sollte maximal 500 Wörter haben

# Janika und Sabrina sollten als Gründerinnen natürlich im Beitrag verlinkt werden


Andrea Kraft: Hummeln fliegen auch bei Regen. Roman. Goldmann Verlag, München 2018.  416 Seiten. 10€.

Mittwoch, Februar 20th 2019

Herzensbücher #1
Harper Lee
Wer die Nachtigall stört

Bücher, die nachdenklich machen, fesseln und unter die Haut gehen, die einen nicht mehr los lassen und einen besonderen Platz im Herzen einnehmen, das sind ganz besonders wertvolle Werke. Jeder der gern liest, wird Bücher kennen, die ihm besonders wichtig sind, die ihn geprägt haben und die unvergesslich bleiben. Nennen wir sie doch einfach Herzensbücher. Denn so lautet die wunderbare Aktion von Janika und Sabrina. Die Beiden hatten die schöne Idee, ihren Herzensbüchern mehr Raum zu geben. Dieser guten Sache schließe ich mich (endlich) auch an.

Ich möchte euch deshalb gleich zu Beginn ein sehr aufrüttelndes Buch ans Herz legen, welches sicher jedem bekannt sein dürfte. Ein echter Klassiker, eine äußerst wichtige und mahnende Lektüre, welcher nicht genug Beachtung geschenkt werden kann. Ich spreche von einem Roman, der bereits vor knapp 60 Jahren erstveröffentlicht und bis heute immer wieder neuverlegt wurde. Wer die Nachtigall stört erschien erstmals 1960. Die Autorin ist die US-Amerikanerin Harper Lee. Die Geschichte spielt in den Südstaaten der Dreißigerjahre und behandelt vorwiegend das Thema Rassismus.

Die Geschwister Scout und Jem leben gemeinsam mit ihrem Vater Atticus, einem erfolgreichen und menschenfreundlichen Rechtsanwalt und ihrer dunkelhäutigen Haushaltshilfe Calpurnia in Alabama, USA. Die Zeit ist geprägt vom Rassismus der weißen gegenüber der schwarzen Bevölkerung. Die brutale Wirklichkeit holt Scout und Jem ein, als ihr Vater den schwarzen Landarbeiter Tim Robinson vor Gericht vertritt, weil dieser ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. Aber wie hoch ist die Chance, dass ein Schwarzer in den Dreißigerjahren einen Prozess gegen einen Weißen gewinnt?

„Mut heißt, von vornherein wissen, dass man geschlagen ist, und trotzdem den Kampf – ganz gleich, um was es geht – aufnehmen und ihn durchstehen. Man gewinnt selten, aber zuweilen gelingt es.“

Auch wenn ich natürlich um die geschichtlichen Ereignisse weiß, so ist es doch immer erschreckend zu lesen, wie sehr Menschen einander hassen können und wie irrsinnig dies ist. Ein leider nicht geringer Teil der weißen Bevölkerung hat über lange Zeit Menschen mit schwarzer Hautfarbe durch Abwertung und Vorurteilsdenkn gestraft, weil sie sie als minderwertig und den Weißen unterstellt ansahen. Atticus handelt entgegen dieser verbreiteten Ansicht, er teilt den unnützen Hass seiner Mitmenschen nicht und so vertritt er seinen dunkelhäutigen Mandanten vor Gericht.

Den Mittelpunkt der Geschichte nimmt der Prozess ein. Die Autorin schafft detaillierte Einblicke in das Leben der US-Bevölkerung damals und zeigt auf, was Unzufriedenheit und Unwissenheit anrichten können. Menschen sind bereit einfach wegzusehen, grauenhafte Dinge zu dulden und selbst zum Täter zu werden. Atticus und seine Kinder gehören zu den wenigen, die sich dagegen auflehnen, die die Vorurteile der Weißen gegenüber den Schwarzen in Frage stellen. Auf einfühlsame, aber auch schonungslose Weise beschreibt Lee eine Gesellschaft am Rande der Katastrophe. Auch heute noch ist Fremdenhass ein Thema und wir alle sind dazu angehalten uns klar dagegen zu positionieren. Die Aussage des Buches ist ganz klar: wir alle sind Menschen. Fertig!

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Teilnahmebedingungen im Überblick

# Die Herzensbücher werden immer zum 20. des Monats auf dem Blog, bei Instagram oder Twitter vorgestellt

# Jeder Teilnehmer beschreibt, warum gerade dieses Buch ein Herzensbuch für ihn ist

# Der Beitrag sollte maximal 500 Wörter haben

# Janika und Sabrina sollten als Gründerinnen natürlich im Beitrag verlinkt werden


Harper Lee: Wer die Nachtigall stört. Roman. To Kill A Mockingbird. Aus dem Amerikanischen von Claire Malignon. Rowohlt Verlag, Reinbek 2016. 448 Seiten. 9.99€.

@zeilentaenzer_org