Dienstag, August 20th 2019

Herzensbücher #6
Donia Bijan
Als die Tage nach Zimt schmeckten

Bücher, die nachdenklich machen, fesseln und unter die Haut gehen, die einen nicht mehr los lassen und einen besonderen Platz im Herzen einnehmen, das sind ganz besonders wertvolle Werke. Jeder der gern liest, wird Bücher kennen, die ihm besonders wichtig sind, die ihn geprägt haben und die unvergesslich bleiben. Nennen wir sie doch einfach Herzensbücher. Denn so lautet die wunderbare Aktion von Janika und Sabrina. Die Beiden hatten die schöne Idee, ihren Herzensbüchern mehr Raum zu geben. Dieser guten Sache schließe ich mich (endlich) auch an.

Es ist wieder der Zwanzigste des Monats und somit wird es Zeit für ein neues Herzensbuch. Gelesen habe ich es bereits im letzten Sommer nach seinem Erscheinen. Es heisst Als die Tage nach Zimt schmeckten und wurde geschrieben von der iranischen Schriftstellerin Donia Bijan. Diese beschreibt in der Geschichte die Zerrissenheit ihrer Protagonistin Noor, die aus dem Iran stammt, aber mit Beginn in die Volljährigkeit aus ihrem Heimatland in die Vereinigten Staaten immigriert, um dem Terrorregime im Iran zu entfliehen.

„Er atmete tief durch, denn er hatte noch nie so viele Worte an eine Frau gerichtet, und sie wandte sich ab, um ein Lächeln zu verbergen.“

Noor wächst mit ihrem Bruder Mehrdad beim gemeinsamen Vater in Teheran auf. Dieser betreibt dort ein Café von dessen Gerüchen und buntem Treiben Noor von klein auf begeistert ist. Als die Geschwister achtzehn Jahre alt sind, schickt ihr Vater sie in die Vereinigten Staaten zu Verwandten, damit sie dem Terrorregime im Iran entkommen. Für Noor ist ein Weggang aus ihrem Heimatland und weit weg von ihrem Vater zunächst unvorstellbar.

Die Geschichte wird in zwei zeitlichen Ebenen und drei Perspektiven erzählt. So werden neben Noor auch die Gedanken und Erlebnisse von ihrem Vater Zod und ihrer Tochter Lily offenbart. Zu Letzterer hat sie ein schwieriges Verhältnis, das von Spannungen geprägt ist. Ihren Vater vermisst Noor sehr. Im Iran muss sie feststellen, dass ihre Sehnsüchte nach Familie und Zugehörigkeit zwar gestillt, aber auch alte und neue Ängste geschürt werden.

Mich hat das Buch sehr berührt und mir den einen oder anderen sentimentalen Moment beschert. Die Figuren sind mir äußerst nah gegangen, die Handlung ist spannend, faktenreich und warmherzig. Besonders das Café Leila wurde authentisch dargestellt. Man konnte den Safran und den Zimt praktisch schmecken. Des Weiteren wurde dem Leser durch das Café auch die persische Kultur näher gebracht. Ein Generationen übergreifendes Wohlfühlbuch, das mit auf die Reise nimmt.

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Teilnahmebedingungen im Überblick

# Die Herzensbücher werden immer zum 20. des Monats auf dem Blog, bei Instagram oder Twitter vorgestellt

# Jeder Teilnehmer beschreibt, warum gerade dieses Buch ein Herzensbuch für ihn ist

# Der Beitrag sollte maximal 500 Wörter haben

# Janika und Sabrina sollten als Gründerinnen natürlich im Beitrag verlinkt werden

Mehr Herzensbücher

Haunted Cupcake, Zeilenwanderer, ReadEatLive

Donia Bijan: Als die Tage nach Zimt schmeckten. Roman. Last Days of Café Leila. Aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg. Ullstein Verlag, Berlin 2018. 384 Seiten. 11€.

Samstag, Juli 20th 2019

Herzensbücher #5
Alicia Adams
Als wir unbesiegbar waren

Bücher, die nachdenklich machen, fesseln und unter die Haut gehen, die einen nicht mehr los lassen und einen besonderen Platz im Herzen einnehmen, das sind ganz besonders wertvolle Werke. Jeder der gern liest, wird Bücher kennen, die ihm besonders wichtig sind, die ihn geprägt haben und die unvergesslich bleiben. Nennen wir sie doch einfach Herzensbücher. Denn so lautet die wunderbare Aktion von Janika und Sabrina. Die Beiden hatten die schöne Idee, ihren Herzensbüchern mehr Raum zu geben. Dieser guten Sache schließe ich mich (endlich) auch an.

Da mein Herzensbuch im Juni leider ausfiel, wird es umso mehr Zeit, euch in diesem Monat wieder eines meiner Lieblingsbücher vorzustellen. Auf Instagram und im Buchladen kam man kaum an diesem Buch vorbei, weswegen zumindest das Cover jedem von euch bekannt sein dürfte. Als wir unbesiegbar waren von Alice Adams hat sich beim Lesen sofort in mein Herz gedrängt. Ich mochte die Grundstimmung von Beginn an und fand die unterschiedlichen Charaktere, die alle einer Clique angehören, sehr aufregend.

„Man sah nur diesen strahlenden Moment des Glücks, und er war alles andere als die ganze Wahrheit.“

Eva, Benedict, Sylvie und Lucien gehen auf die gleiche Universität in England und sind unzertrennliche Freunde. Ende der Neunzigerjahre endet ihr Studium und sie starten ins Berufsleben an unterschiedlichen Orten. Für alle vier ist aber klar, dass sie in engem Kontakt bleiben werden und sich nicht aus den Augen verlieren. Genau das Gegenteil ist der Fall. Sie sehen sich kaum noch, entfernen sich voneinander und schlagen unterschiedliche Lebenswege ein. Sie verwirklichen ihre Träume und setzen ihre Pläne in die Tat um.

Irgendwann aber, einige zerbrochene Beziehungen und berufliche Rückschläge später, finden sie wieder zueinander. Allerdings fühlt es sich nicht mehr wie früher an. Inzwischen ist zu viel Zeit vergangen, zu unterschiedlich sind die Richtungen, in die sie sich entwickelt haben. Adams gelingt es, auf sehr einfühlsame und berührende Weise von den Herausforderungen des Erwachsenwerdens, der Suche nach der Identität und dem großen Wert von Freundschaft zu berichten.

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Teilnahmebedingungen im Überblick

# Die Herzensbücher werden immer zum 20. des Monats auf dem Blog, bei Instagram oder Twitter vorgestellt

# Jeder Teilnehmer beschreibt, warum gerade dieses Buch ein Herzensbuch für ihn ist

# Der Beitrag sollte maximal 500 Wörter haben

# Janika und Sabrina sollten als Gründerinnen natürlich im Beitrag verlinkt werden

Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren. Roman. Invincible Summer. Dumont Verlag, Köln 2017. 336 Seiten. 20,00 €.

Montag, Mai 20th 2019

Herzensbücher #4
Nell Leyshon
Die Farbe von Milch

Bücher, die nachdenklich machen, fesseln und unter die Haut gehen, die einen nicht mehr los lassen und einen besonderen Platz im Herzen einnehmen, das sind ganz besonders wertvolle Werke. Jeder der gern liest, wird Bücher kennen, die ihm besonders wichtig sind, die ihn geprägt haben und die unvergesslich bleiben. Nennen wir sie doch einfach Herzensbücher. Denn so lautet die wunderbare Aktion von Janika und Sabrina. Die Beiden hatten die schöne Idee, ihren Herzensbüchern mehr Raum zu geben. Dieser guten Sache schließe ich mich (endlich) auch an.

Und es ist wieder soweit, ich stelle euch heute mein viertes Herzensbuch vor und bin vor jedem Beitrag der Aktion schon immer ganz aufgeregt und freue mich, meine Lieblingsbücher mit euch teilen zu dürfen. In diesem Fall handelt es sich um Die Farbe von Milch von Nell Leyshon. Den meisten von euch dürfte zumindest der Titel ein grober Begriff sein. Zunächst erinnert die Geschichte, welche aus der Sicht der vierzehnjährigen Protagonistin erzählt wird, an ein Märchen – zumindest, wenn man das Setting betrachtet: eine englische Landschaft im Jahr 1831.

Schnell wird aber deutlich, dass es in dem Örtchen, an dem die Handlung spielt, nie richtig hell zu werden scheint. Die Charaktere sind rau und wenig emphatisch, was sicher auch der Zeit geschuldet ist und den Umständen unter welchem die Menschen damals lebten. Mary ist vierzehn Jahre alt und lebt gemeinsam mit ihren Eltern, ihrem Großvater und ihren drei Schwestern auf einem englischen Bauernhof. Dort wird sie wie eine Sklavin behandelt, die vor allem dazu dient, das Land zu bewirtschaften. Bis auf ein Bett und tägliche Mahlzeiten ist es nicht viel, was Mary von ihrer Familie zu erwarten hat. Nur ihr Großvater, welcher bettlägerig ist, kann sie hin und wieder aufheitern.

„Und nun werde ich den allerletzten Satz zu Ende schreiben. Und dann werde ich frei sein.“

Eines Tages wird Mary von ihrem Vater in das Haus des Pfarrers geschickt, dessen kranke Frau sie fortan betreuen soll. Zunächst nimmt sich Mary dieser Aufgabe bereitwillig an und fühlt sich wohl mit ihrer neuen Situation. Der Pfarrer ist ihr zugewandt und bringt ihr in regelmäßigen Unterrichtsinheiten das Lesen bei. Doch nachdem die Pfarrersfrau stirbt, beginnt für das junge Mädchen ein Martyrium ungeahnten Ausmaßes.

Nell Leyshon besitzt die Gabe mit einfacher (aber treffender) Sprache und wenig Spektakel ein großes Drama zu erzeugen, welches erschüttert und den Leser frösteln lässt. Mary erträgt ihr Schicksal mit gnadenlosem Stoizismus, bis sie es schlussendlich schafft, sich ihrer fatalen Lage zu entziehen und zur tragischen Figur wird. Ein Roman voller Wucht und großer Qualen, der tief erschüttert und bestürzt zurücklässt und doch aufgrund seiner faszinierenden Umsetzung so lesenswert ist.

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Teilnahmebedingungen im Überblick

# Die Herzensbücher werden immer zum 20. des Monats auf dem Blog, bei Instagram oder Twitter vorgestellt

# Jeder Teilnehmer beschreibt, warum gerade dieses Buch ein Herzensbuch für ihn ist

# Der Beitrag sollte maximal 500 Wörter haben

# Janika und Sabrina sollten als Gründerinnen natürlich im Beitrag verlinkt werden

Nell Leyshon: Die Farbe von Milch. Roman. The Color Of Milk. Eisele Verlag, München 2018. Aus dem Englischen von Wibke Kuhn. 208 Seiten. 18€.

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