Franziska Seyboldt

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Lesemonat
April 2019

Obwohl in den letzten Wochen viel mehr Rezensionen folgen sollten, sind es kaum Beiträge geworden. Ich war und bin zum Teil sehr unzufrieden mit meinen Beiträgen, insbesondere was die Fotos anbelangt, sodass ich gerade dabei bin einiges zu ändern. Zudem gab es beim Umzug zu WordPress einige Probleme beim Importieren der Dateien weswegen ich in den nächsten Tagen und Wochen damit beschäftigt sein werde, die Fehler zu beheben. Gelesen habe ich im April leider auch kaum, da ich über Ostern bei meiner Familie war, mein Freund anschließend bei mir und ich aufgrund dessen nicht zum Lesen kam. Enttäuscht bin ich darüber allerdings nicht, denn Familienzeit geht vor. In Zahlen waren es in den letzten vier Wochen gerade mal drei Werke, darunter ein Hörspiel.

Ein Jugendthriller

Ein Jugendbuch habe ich wirklich lange nicht gelesen, was auch daran liegt, dass es nicht meine bevorzugten Bücher sind. Dennoch mache ich hin und wieder gerne einen Ausflug in dieses Genre und habe deshalb Und dann weiss jeder, was ihr getan habt von Christian Linker gelesen. Anfänglich konnte mich die Geschichte gar nicht packen. Die Jugendsprache hat mich ziemlich genervt und mir fehlte der Anspruch. Allerdings hat sich dies dann doch rasant geändert und am Ende war ich mehr als angetan. Die Rezension dazu folgt.

Vom Leben mit der Angst

Das ist gleichsam Teil des Buchtitels von Rattatatam, mein Herz von Franziska Seyboldt. Die Journalistin thematisiert in ihrem Debütroman ihre generalisierte Angststörung und die damit einhergehenden Probleme, zeigt aber auch Chancen auf, sich selbst besser kennen zu lernen und sich mit dieser psychischen Erkrankung anzunehmen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie belastend Panikattacken sein können und bin vom Buch vollkommen überzeugt, denn es macht einen Unterschied, ob ein Betroffener selbst berichtet oder jemand lediglich von seinem auswendig gelernten theoretischen Wissen berichtet. Hier folgt die ganze Rezension.

Mörderisches für die Ohren

Nachdem ich Mörderinnen und Mörder von Veikko Bartel gelesen und für sehr gut befunden hatte, wollte ich mehr über diese Thema erfahren. Mein erstes Hörspiel nach einer gefühlten Ewigkeit war 9 1/2 perfekte Morde vom Rechtsanwalt Alexander Stevens. Dieser berichtet höchstpersönlich von wahren Fällen und stellt zu Beginn die Frage, ob es den perfekten Mord wirklich gibt. Ich hatte das Hörspiel schnell durch und fand es meist spannend und informativ.

Statistische Werte

Mein Lesemonat April kommt an den März nicht heran. Wie oben erwähnt sind es leider nur drei Bücher geworden. Gelesen habe ich 512 Seiten und fünf Stunden gehört. Im Schnitt habe ich 2,7 Tage für ein Buch benötigt. 4,3 vergebene Sterne sind es geworden und unter den drei Büchern war ein Rezensionsexemplar. Ein Buch habe ich zudem gekauft und das Hörspiel geliehen. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle beim dtv Verlag für das Rezensionsexemplar zu Und dann weiss jeder, was ihr getan habt.


War euer April lesereicher?

*Die Rechte an den Bildern liegen bei den jeweiligen Verlagen

Franziska Seyboldt
Rattatatam, mein Herz – vom Leben mit der Angst

Rattatatam, mein Herz. Vom Leben mit der Angst ist das dritte Buch der taz-Kolumnistin Franziska Seyboldt. Darin schildert diese ihr Leben mit einer Angststörung und die damit verbundenen Symptome, sowie die die Auswirkungen auf Mitmenschen und den Weg, sich mit dieser Erkrankung anzunehmen.

Franziska Seyboldt weiß, dass sie kein besonders ängstlicher Mensch ist. Sie arbeitet als Redakteurin, schreibt Kolumnen und gehört nicht zu den Menschen, die sich verstecken. Und dennoch wird ihr eines Tages eine generalisierte Angststörung diagnostiziert. Kurz gesagt: die Angst vor der Angst. In ihrem Buch räumt sie mit Klischées auf, welchen sich Leidtragende ständig ausgesetzt sehen und macht anderen Betroffenen Mut, sich mit ihrer Angststörung zu akzeptieren.

„Näher am Wasser gebaut als ich ist allerhöchstens ein Steg.“

Die Autorin schreibt durchweg in der Ich-Form, sie erzählt auf amüsante Weise und ist dennoch immer gnadenlos ehrlich. Seyboldt beschreibt ihre Angststörung in all ihren Facetten und von Beginn an. Ob bei Lesungen vor einem größeren Publikum, dem Besteigen eines Flugzeugs oder der Bewältigung des Alltags – ihre Angst ergreift immer wieder Besitz von ihr. Als eine Kollegin sie mit dem Vorurteil konfrontiert, dass Menschen die unter einer Angststörung leiden, doch grundsätzlich eher schüchtern und voller Ängste seien, stellt Franziska Seyboldt fest, dass das nicht der Fall ist und beschäftigt sich mehr und mehr mit sich selbst.

Als jemand, welcher eigene Erfahrungen mit einer Angststörung machen musste, ist das Buch umso interessanter. Deshalb stand Rattatatam, mein Herz lange schon auf meiner Liste. Hauptsächlich deshalb, weil eine Betroffenen selbst berichtet und das Buch somit viel mehr Authentizität bietet als ein Fachbuch, welches von Menschen geschrieben wird, die sich höchstens mit der Theorie befassen. Jemand der regelmäßig mit Symptomen wie Herzrasen, Atemnot und Schweißausbrüchen, aber auch negativen Gedankenspiralen konfrontiert ist, weiß, wie quälend die sein kann. In unserer Gesellschaft, welche durch Leistung und Perfektionismus geprägt ist, haben psychische Erkrankungen häufig keinen Platz. Dabei handelt es sich doch aber ziemlich deutlich um Ursache und Wirkung.

Nicht aufliegen wollen, bloß keine Schwäche zeigen, immer neue Ausreden erfinden um Verabredungen absagen zu können, sich isolieren wollen und nicht in Ohnmacht fallen. Das sind wohl die häufigsten Gedanken, die man als Betroffener verspürt. Dennoch führt der Weg nur durch die Angst selbst. Der Schlüssel ist auch hier die Akzeptanz. Der Autorin ist mit Rattatatam, mein Herz ein wegweisendes Buch gelungen, das durch Charme, Fachlichkeit und Cleverness glänzt.

„Ja, ich bin die mit der Angst. Aber ich bin auch die, die ihren badischen Dialekt vermutlich nie ganz loswird. Die, die was mit Mode studiert hat und der das manchmal ein bisschen peinlich ist. Die, die Hip Hop lieber mag als Elektro. Die, die Lachanfälle bekommt, wenn sie müde ist. Oder, wie ein Kollege sagte: Für mich bleibst du immer die mit den Locken.“

Ihre Angst ist in jedem Kapitel allgegenwärtig und versucht sie stets aus der Reserve zu locken. Immer und überall ist sie dabei und versucht Seyboldt das Leben schwer zu machen. Aber wäre Angst denn möglich ohne Mut? Nein! Seyboldt erzählt so poetisch und klug von ihrem Leben mit der Angst, dass ich mich beim Lesen immer gut aufgehoben und verstanden fühlte. Ich habe mich zwar nie dagegen gewehrt, die Diagnose zu akzeptieren, glaube aber, dass das Buch vielen anderen Angstpatienten helfen kann, sich selbst besser zu verstehen und Strategien zu entwickeln, nahezu angstfrei zu leben.

Franziska Seyboldt wurde 1984 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Modejournalismus und Medienkommunikation in Hamburg. Sie arbeitet als Redakteurin, Autorin und Kolumnistin bei der taz. Zudem schreibt sie Werbetexte und Bücher.

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Franziska Seyboldt: Rattatatam, mein Herz. (Auto)-Biografie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018. 256 Seiten. 16.99€.