Françoise Sagan

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Lesemonat
Juni 2019

Etwas spät, aber er kommt : mein Leserückblick für den Juni. In den vergangenen vier Wochen bin ich auf vier Bücher gekommen, zwei weniger als vorgenommen. Dennoch bin ich ganz zufrieden mit meiner Ausbeute, denn von meinen geplanten 60 Büchern in diesem Jahr habe ich bereits 32 gelesen, sodass ich doch ganz gut in der Zeit liege. Ihr könnt mir gern mal verraten, ob ihr auch an einer Lese-Challenge teilnehmt und welches euer Ziel ist.

Ein französischer Klassiker

Zeit für etwas Klassisches! Ich freue mich immer ganz besonders, wenn ich ein Stückchen klassische Literatur lesen durfte und Bonjour tristesse zähle ich zweifelsohne dazu, denn der Roman, welcher von der Französin Françoise Sagan 1953 geschrieben wurde, war ein Welterfolg und wurde mehrfach neu aufgelegt und in zig Sprachen übersetzt. Mir gefiel das sich langsam anbahnende Desaster und die leichte, feinfühlige Sprache. Eine Siebzehnjährige möchte ihren Vater und dessen Partnerin auseinander bringen, weil sie sich davon erhofft, ihr altes Leben zurück zu bekommen. Was zunächst gemein klingt, hat doch seine Ursachen. Ein, aus meiner Sicht, grandioses Buch, das ich hier rezensiert habe.

Die Bauhaus-Jahre

Ein sehr bewegendes, weil historisch wichtiges Buch, ist Blaupause von Theresia Enzensberger. Geschildert werden in dem Roman die Anfänge des Bauhauses in Weimar und Dessau. Der Leser erfährt vieles über die Hintergründe der geschichtsträchtigen Zwanzigerjahre und lernt die Bauhausszene und seine prägendsten Persönlichkeiten kennen. Protagonistin des Buches ist Louise, eine junge Studentin aus Berlin, die ab 1921 in Weimar studiert und sich ganz dem Bauhaus verschreibt. Neben der Architektur- und Kunstszene, wird ihre Welt immer mehr vom – noch leise – aufkommenden Fachismus überschattet. Hier könnt ihr mehr nachlesen. 

 

Eine wieder mal grandiose Slimani

Sie ist eine meiner Lieblingsautorinnen – Leïla Slimani! Nachdem ich 2017 ihr Debüt Dann schlaf auch Du verschlungen habe, hat es viel zu lang gedauert, bis ich Sex und Lügen las, welches mich auch überzeugen konnte. In ihrem aktuellen Buch All das zu verlieren – ebenfalls wieder ein Roman, überzeugt sie durch Authentizität und Menschlichkeit. Ihre Protagonistin polarisiert, ohne Frage, schließlich begeht sie mehrfachen Ehebruch, indem sie ein ausschweifendes Sexualleben mit anderen Männern führt und zuerst an eigene Bedürfnisse denkt. Und dennoch erwischt man sich dabei, dass sie in einem Mitgefühl und Verständnis weckt. Slimani beschreibt auf grobe, aber menschliche Weise die Abgründe einer weiblichen Seele. Hier meine Rezension.

Wenn Liebe krank macht

Mein letztes Buch im Juni war – mal wieder – ein Thriller, nämlich The Couple – Ihre Liebe ist vorbei, ihr Spiel hat erst begonnen von Araminta Hall. Auf knapp 500 Seiten beschreibt die Autorin, welche an der Universität Brighton Kreatives Schreiben lehrt, die Beziehung eines Paares, das sich kürzlich getrennt hat. Mike kann sich nicht damit abfinden, das seine Freundin Verity Schluss gemacht hat. Deshalb glaubt er fest daran, dass sich alles nur um ein Spiel handle, in welchem er seine er Ex-Freundin zurückgewinnen soll. All das endet in einer Katastrophe. Heftig, zermürbend und psychologisch gut durchdacht. Ein spannender Thriller. Auch hier gibt es bereits meine Rezension

Statistische Werte

Im Juni habe ich also vier Bücher gelesen, die mir durchweg gut gefallen haben. So kam eine durchschnittliche Wertung von 4,3 Sternen zustande. So kann ein erfolgreicher Lesemonat doch aussehen! 1070 Seiten habe ich insgesamt gelesen. Für jeden Buch brauchte ich im Schnitt 3,3 Tage. 2 von den gelesenen Büchern waren Rezensionsexemplare, habe ich selbst gekauft. Ich bedanke mich bei Florian Valerius von der Buchhandlung Stephanus in Trier für Bonjour tristesse – mein Book Blind Date Juni, sowie für Blaupause, welches ich vorletzten Monat zugesendet bekam. Hier wurde mein Geschmack voll und ganz getroffen. Danke! Des Weiteren danke ich Randomhouse, dem Heyne-Verlag und Luchterhand.


Was habt ihr so gelesen und welches sind eure Highlights?

*Die Rechte an den Bildern liegen bei den jeweiligen Verlagen

Françoise Sagan
Bonjour tristesse

Bonjour tristesse ist ein Roman der französischen Schriftstellerin Françoise Sagan aus dem Jahr 1954. Seither wurde der weltweit erfolgreiche Klassiker unzählige Male neu aufgelegt. In diesem Fall vom Ullstein-Verlag im Sommer 2017. Die Protagonistin des Buches ist eine Siebzehnjährige, welche durch Manipulation und Scharfsinnigkeit die Beziehung ihres Vaters zu beenden versucht. 

Cécile verbringt den Sommer gemeinsam mit ihrem Vater und dessen junger, einfältiger Freundin Elsa an der Côte d’Azur. Durch ihre jugendliche Leichtigkeit gelingt es Cécile, ihren Vater um den Finger zu wickeln und den Urlaub nach ihrem Geschmack zu gestalten. So verbringt sie die Tage hauptsächlich mit einem Jungen, der sich in sie verliebt hat. Aber dann taucht Anne auf: eine Freundin ihrer verstorbenen Mutter, klug und gewissenhaft. Nachdem Céciles Vater sich von Elsa trennt und Anne an seiner Seite will, droht diese durch scharfe Erziehungsmaßnahmen Céciles entspanntes Leben zu zerstören. Als ihr Vater Raymond und Anne heiraten wollen, schmiedet Cécile einen folgenschweren Plan.

Ohne Umschweife ist man gleich nach Beginn des Lesens sofort im Geschehen und fortan mit den Befindlichkeiten des Hauptcharakters konfrontiert. Die siebzehnjährige Cécile genießt das leichte Leben an der Seite ihres Vaters, in welchem auf Regeln und Konsequenzen weitestgehend verzichtet wird. Céciles Vater Raymond mag jüngere Frauen, weshalb die naive, schöne Elsa in sein Beuteschema passt. Cécile pflegt zu ihrem Vater einen engen und guten Kontakt, sodass sie deren Lebensstil zu akzeptieren versucht. 

Anne kennt sie aus früheren Tagen und weiß um deren Intellekt und Pflichtbewusstsein. Von ihrem Geist und ihrer Fürsorge beeindruckt, trennt sich Raymond schließlich von seiner jungen Geliebten Elsa und widmet sich voll und ganz Anne. Beide werden ein Paar. Ab dem Moment sieht sich Cécile ihrer Freizügigkeit und Launenhaftigkeit beraubt. Vorbei ist es mit dem freien Willen und dem Faulenzen. Anne erwartet von Cécile, dass diese sich ihrem Werdegang hingibt, lernt und ihren Pflichten nachkommt.

Sicherlich muss beim Lesen und verstehen der Geschichte die Zeit berücksichtigt werden, in welcher diese spielt. Die Autorin schrieb den Roman 1953 in einem Pariser Bistro im Stadtteil Saint Germain innerhalb weniger Wochen. Ungeachtet dessen, dass die Story in den Fünfzigern spielt, stimme ich den kritischen Stimmen zum Buch nicht ganz zu. Cécile ist mit ihren siebzehn Jahren noch minderjährig und teils unreif, was sich an ihrer launenhaften, egoistischen Art und ihren manipulativen, teils ambivalenten Gedanken zeigt. Nichts desto trotz darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass Anne das Leben von Cécile und ihrem Vater auf den Kopf stellt. 

Plötzlich hat Raymond nicht mehr viel zu sagen und hält sich dementsprechend in der Erziehung seiner Tochter zurück. Diese übernimmt Anne allein. Cécile wird der Umgang mit ihrem Freund madig gemacht, sie wird zum ständigen Lernen verdonnert und ihr wird unverblümt deutlich gemacht, dass sie, um im Leben voran zu kommen auf ihren bisherigen Freiheitsdrang verzichten müsse. Des Weiteren zweifelt sie an dem Glück ihres Vaters. Dies genügt aus meiner Sicht zumindest, um nachvollziehen zu können, dass sich Cécile einer ausweglosen Situation ausgesetzt sieht. Wie sie am Ende handelt, darüber kann diskutiert werden.

Sprachlich ist Bonjour tristesse ein Genuss. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und die Formulierungen nur so aufgesaugt. Sagan gelingt es, einen menschlichen Konflikt simpel und dennoch kraftvoll und instinktiv zu schildern und dabei gekonnt auf psychologische Muster zurückzugreifen. Am Ende gibt es aus meiner Sicht – entgegen vieler Meinungen anderer Kritiker – keinen Schuldigen. 

Kein böses Buch, sondern ein zutiefst menschliches.

Ein Kassenschlager

Bonjour tristesse wurde innerhalb weniger Wochen zum Bestseller, weltweit in fünf Jahren über vier Millionen Mal verkauft und in 22 Sprachen übersetzt. Dutzende Theaterstücke, TV-Produktionen und Bücher widmen sich diesem Werk. 

Françoise Sagan wurde 1935 in Frankreich geboren. Sie studierte Literatur in Paris und veröffentlicht mit achtzehn Jahren ihren ersten Roman Bonjour tristesse, mit welchem sie über Nacht weltberühmt wurde. Sie erhielt dafür den Prix de Critiques. 1957 verfiel die Autorin bis an ihr Lebensende einer Drogensucht. Sie starb 2004 im Alter von 69 Jahren in ihrem Geburtsland Frankreich. 

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Françoise Sagan: Bonjour tristesse. Roman. Aus dem Französischen von Rainer Moritz. Ullstein Verlag, Berlin 2017. 176 Seiten. 12€.