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Herzensbücher #5
Alicia Adams
Als wir unbesiegbar waren

Bücher, die nachdenklich machen, fesseln und unter die Haut gehen, die einen nicht mehr los lassen und einen besonderen Platz im Herzen einnehmen, das sind ganz besonders wertvolle Werke. Jeder der gern liest, wird Bücher kennen, die ihm besonders wichtig sind, die ihn geprägt haben und die unvergesslich bleiben. Nennen wir sie doch einfach Herzensbücher. Denn so lautet die wunderbare Aktion von Janika und Sabrina. Die Beiden hatten die schöne Idee, ihren Herzensbüchern mehr Raum zu geben. Dieser guten Sache schließe ich mich (endlich) auch an.

Da mein Herzensbuch im Juni leider ausfiel, wird es umso mehr Zeit, euch in diesem Monat wieder eines meiner Lieblingsbücher vorzustellen. Auf Instagram und im Buchladen kam man kaum an diesem Buch vorbei, weswegen zumindest das Cover jedem von euch bekannt sein dürfte. Als wir unbesiegbar waren von Alice Adams hat sich beim Lesen sofort in mein Herz gedrängt. Ich mochte die Grundstimmung von Beginn an und fand die unterschiedlichen Charaktere, die alle einer Clique angehören, sehr aufregend.

„Man sah nur diesen strahlenden Moment des Glücks, und er war alles andere als die ganze Wahrheit.“

Eva, Benedict, Sylvie und Lucien gehen auf die gleiche Universität in England und sind unzertrennliche Freunde. Ende der Neunzigerjahre endet ihr Studium und sie starten ins Berufsleben an unterschiedlichen Orten. Für alle vier ist aber klar, dass sie in engem Kontakt bleiben werden und sich nicht aus den Augen verlieren. Genau das Gegenteil ist der Fall. Sie sehen sich kaum noch, entfernen sich voneinander und schlagen unterschiedliche Lebenswege ein. Sie verwirklichen ihre Träume und setzen ihre Pläne in die Tat um.

Irgendwann aber, einige zerbrochene Beziehungen und berufliche Rückschläge später, finden sie wieder zueinander. Allerdings fühlt es sich nicht mehr wie früher an. Inzwischen ist zu viel Zeit vergangen, zu unterschiedlich sind die Richtungen, in die sie sich entwickelt haben. Adams gelingt es, auf sehr einfühlsame und berührende Weise von den Herausforderungen des Erwachsenwerdens, der Suche nach der Identität und dem großen Wert von Freundschaft zu berichten.

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Teilnahmebedingungen im Überblick

# Die Herzensbücher werden immer zum 20. des Monats auf dem Blog, bei Instagram oder Twitter vorgestellt

# Jeder Teilnehmer beschreibt, warum gerade dieses Buch ein Herzensbuch für ihn ist

# Der Beitrag sollte maximal 500 Wörter haben

# Janika und Sabrina sollten als Gründerinnen natürlich im Beitrag verlinkt werden


Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren. Roman. Invincible Summer. Dumont Verlag, Köln 2017. 336 Seiten. 20.00 €.

Christian Linker
Und dann weiss jeder, was ihr getan habt

Und dann weiss jeder, was ihr getan habt ist ein Jugendthriller von Christian Linker, welcher 2019 im dtv-Verlag erschienen ist. Der Autor erzählt die Geschichte vom plötzlichen Verschwinden eines jungen afrikanischen Mädchens, lässt seine Leser hinter die Fassaden ihrer Mitschüler und tief in ihre Abgründe blicken. 

Muriel kommt aus einer wohlhabenden Familie und lebt mit ihrem Vater zusammen, der selten zuhause ist. Sie ist eine Einzelgängerin und nicht sonderlich beliebt an ihrer Schule.  Ihre einzig wirklich Freundin war aus ihrer Sicht Precious, eine ehemalige Mitschülerin aus Nigeria. Diese ist seit einer Studienfahrt an die Ostsee spurlos verschwunden. Lediglich ihre Jacke wurde gefunden. Muriel glaubt fest daran, dass Precious in den Tod getrieben wurde. Unter einem Vorwand lädt sie deshalb vier ihrer Mitschüler zu sich nach Hause ein, um dem Schuldigen ein Geständnis zu entlocken. Was niemand der vier Schüler weiß: Muriel hat dafür gesorgt, dass alles, was sie sagen und tun live ins Internet übertragen wird. 

Nachdem mich der Beginn sehr verwirrte, habe ich dann doch gut in die Geschichte hinein finden können. Zunächst wird Muriels Perspektive geschildert und ihr Plan vorgestellt, ihren Mitschülern im hauseigenen Keller das Geheimnis um Precious abzutrotzen. Özge, Lennard, Constantin und Daria könnten unterschiedlicher nicht sein, was aber auch in einer realen Schulklasse sicher nicht ungewöhnlich ist. Muriel ist wie besessen von der Idee, den Schuldigen an Precious Tod zu finden. Die Nigerianerin flüchtete aus ihrem Land nach Deutschland, musste mit ansehen wie ihre Familie starb und nahm eine beschwerliche Reise auf sich, um sicher ankommen zu können. Muriel ist überzeugt, dass es für den möglichen Täter ein Leichtes war, Precious zu täuschen, da diese vom Leben gezeichnet wurde.

„Aber sag, weißt du denn, wer du wirklich bist? Vielleicht trägst du dein Leben lang denselben Namen. Vielleicht hast du schon immer in diesem Land gelebt und niemand aus deiner Familie wurde erschossen oder geköpft oder entführt und vergewaltigt? Bist du deswegen klüger? Weißt du deswegen mehr, wer du bist? Genügt es nicht zu wissen, dass wir am Leben sind?“

Nicht nur Muriels, sondern auch die Blickwinkel aller anderen werden im Verlauf der Geschichte geschildert, indem diese aus der Ich-Perspektive erzählen. Christian Linker verleiht seinen Figuren damit Persönlichkeit und lässt seinen Leser nach und nach auf die Spur der Wahrheit kommen. Ist Precious wirklich tot? Hat jemand damit zu tun? Und wenn ja, wer war es und warum? Das sind die drängenden Fragen in diesem Thriller. Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf, sodass es an Spannung nicht mangelt. Die Erzählweise des Autoren ist nicht aussergewöhnlich und lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Jugendsprache hat mich einige Male jedoch stark gestört, sodass ich besonders anfangs wenig Lust hatte, dranzubleiben. 

Precious, die eine übergeordnete Rolle spielt, kommt leider zu kurz. Ihr Charakter wird nur unscharf dargestellt und in diesem geringen Maße kommt er nicht unbedingt gut weg. Trotz ihrer intensiven Fluchterfahrung und der vom Autor angerissenen sexuellen Ausbeutung die sie erleiden musste, wird sie als eher kaltschnäuziges Mädchen beschrieben, die nicht davor zurückschreckt, sich für Geld anzubieten, was aus meiner Sicht aufgrund ihrer Vorgeschichte nicht ganz glaubwürdig erscheint. Lediglich im letzten, ihrem Kapitel, lassen sich bei ihr Schwächen und somit Menschlichkeit erkennen. Linker reißt die Aspekte Flucht, Fremdenhass und Integration an und weckt aufgrund der Aktualität der Themen das Interesse seiner jugendlichen Leser. 

Die verschiedenen Erzählperspektiven verleihen der Geschichte Abwechslung und Dramatik. Abgesehen vom etwas verwirrenden Anfang überzeugt das Buch durch Rasanz und Nervenkitzel. Die sehr klischéehaft verwendete jugendliche Sprache und die nur geringe Darstellung der Person von Precious störten mich leider. Insgesamt jedoch bleibt es ein gelungener Jugendthriller. 

Christian Linker wurde 1975 in Leverkusen geboren. Er studierte Theologie und war in der Jugendpolitik aktiv. Anchließend widmete er sich dem Schreiben. Seine Jugendbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Linker lebt mit seiner Familie in Leverkusen. 

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Christian Linker: Und dann weiss jeder, was ihr getan habt. Jugendbuch / Thriller. dtv-Verlag, München 2019. 252 Seiten. 14.95€.