Christian Linker

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Christian Linker
Und dann weiss jeder, was ihr getan habt

Und dann weiss jeder, was ihr getan habt ist ein Jugendthriller von Christian Linker, welcher 2019 im dtv-Verlag erschienen ist. Der Autor erzählt die Geschichte vom plötzlichen Verschwinden eines jungen afrikanischen Mädchens, lässt seine Leser hinter die Fassaden ihrer Mitschüler und tief in ihre Abgründe blicken. 

Muriel kommt aus einer wohlhabenden Familie und lebt mit ihrem Vater zusammen, der selten zuhause ist. Sie ist eine Einzelgängerin und nicht sonderlich beliebt an ihrer Schule.  Ihre einzig wirklich Freundin war aus ihrer Sicht Precious, eine ehemalige Mitschülerin aus Nigeria. Diese ist seit einer Studienfahrt an die Ostsee spurlos verschwunden. Lediglich ihre Jacke wurde gefunden. Muriel glaubt fest daran, dass Precious in den Tod getrieben wurde. Unter einem Vorwand lädt sie deshalb vier ihrer Mitschüler zu sich nach Hause ein, um dem Schuldigen ein Geständnis zu entlocken. Was niemand der vier Schüler weiß: Muriel hat dafür gesorgt, dass alles, was sie sagen und tun live ins Internet übertragen wird. 

Nachdem mich der Beginn sehr verwirrte, habe ich dann doch gut in die Geschichte hinein finden können. Zunächst wird Muriels Perspektive geschildert und ihr Plan vorgestellt, ihren Mitschülern im hauseigenen Keller das Geheimnis um Precious abzutrotzen. Özge, Lennard, Constantin und Daria könnten unterschiedlicher nicht sein, was aber auch in einer realen Schulklasse sicher nicht ungewöhnlich ist. Muriel ist wie besessen von der Idee, den Schuldigen an Precious Tod zu finden. Die Nigerianerin flüchtete aus ihrem Land nach Deutschland, musste mit ansehen wie ihre Familie starb und nahm eine beschwerliche Reise auf sich, um sicher ankommen zu können. Muriel ist überzeugt, dass es für den möglichen Täter ein Leichtes war, Precious zu täuschen, da diese vom Leben gezeichnet wurde.

„Aber sag, weißt du denn, wer du wirklich bist? Vielleicht trägst du dein Leben lang denselben Namen. Vielleicht hast du schon immer in diesem Land gelebt und niemand aus deiner Familie wurde erschossen oder geköpft oder entführt und vergewaltigt? Bist du deswegen klüger? Weißt du deswegen mehr, wer du bist? Genügt es nicht zu wissen, dass wir am Leben sind?“

Nicht nur Muriels, sondern auch die Blickwinkel aller anderen werden im Verlauf der Geschichte geschildert, indem diese aus der Ich-Perspektive erzählen. Christian Linker verleiht seinen Figuren damit Persönlichkeit und lässt seinen Leser nach und nach auf die Spur der Wahrheit kommen. Ist Precious wirklich tot? Hat jemand damit zu tun? Und wenn ja, wer war es und warum? Das sind die drängenden Fragen in diesem Thriller. Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf, sodass es an Spannung nicht mangelt. Die Erzählweise des Autoren ist nicht aussergewöhnlich und lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Jugendsprache hat mich einige Male jedoch stark gestört, sodass ich besonders anfangs wenig Lust hatte, dranzubleiben. 

Precious, die eine übergeordnete Rolle spielt, kommt leider zu kurz. Ihr Charakter wird nur unscharf dargestellt und in diesem geringen Maße kommt er nicht unbedingt gut weg. Trotz ihrer intensiven Fluchterfahrung und der vom Autor angerissenen sexuellen Ausbeutung die sie erleiden musste, wird sie als eher kaltschnäuziges Mädchen beschrieben, die nicht davor zurückschreckt, sich für Geld anzubieten, was aus meiner Sicht aufgrund ihrer Vorgeschichte nicht ganz glaubwürdig erscheint. Lediglich im letzten, ihrem Kapitel, lassen sich bei ihr Schwächen und somit Menschlichkeit erkennen. Linker reißt die Aspekte Flucht, Fremdenhass und Integration an und weckt aufgrund der Aktualität der Themen das Interesse seiner jugendlichen Leser. 

Die verschiedenen Erzählperspektiven verleihen der Geschichte Abwechslung und Dramatik. Abgesehen vom etwas verwirrenden Anfang überzeugt das Buch durch Rasanz und Nervenkitzel. Die sehr klischéehaft verwendete jugendliche Sprache und die nur geringe Darstellung der Person von Precious störten mich leider. Insgesamt jedoch bleibt es ein gelungener Jugendthriller. 

Christian Linker wurde 1975 in Leverkusen geboren. Er studierte Theologie und war in der Jugendpolitik aktiv. Anchließend widmete er sich dem Schreiben. Seine Jugendbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Linker lebt mit seiner Familie in Leverkusen. 

★ ★ ★ ★


Christian Linker: Und dann weiss jeder, was ihr getan habt. Jugendbuch / Thriller. dtv-Verlag, München 2019. 252 Seiten. 14.95€. 

Lesemonat
April 2019

Obwohl in den letzten Wochen viel mehr Rezensionen folgen sollten, sind es kaum Beiträge geworden. Ich war und bin zum Teil sehr unzufrieden mit meinen Beiträgen, insbesondere was die Fotos anbelangt, sodass ich gerade dabei bin einiges zu ändern. Zudem gab es beim Umzug zu WordPress einige Probleme beim Importieren der Dateien weswegen ich in den nächsten Tagen und Wochen damit beschäftigt sein werde, die Fehler zu beheben. Gelesen habe ich im April leider auch kaum, da ich über Ostern bei meiner Familie war, mein Freund anschließend bei mir und ich aufgrund dessen nicht zum Lesen kam. Enttäuscht bin ich darüber allerdings nicht, denn Familienzeit geht vor. In Zahlen waren es in den letzten vier Wochen gerade mal drei Werke, darunter ein Hörspiel.

Ein Jugendthriller

Ein Jugendbuch habe ich wirklich lange nicht gelesen, was auch daran liegt, dass es nicht meine bevorzugten Bücher sind. Dennoch mache ich hin und wieder gerne einen Ausflug in dieses Genre und habe deshalb Und dann weiss jeder, was ihr getan habt von Christian Linker gelesen. Anfänglich konnte mich die Geschichte gar nicht packen. Die Jugendsprache hat mich ziemlich genervt und mir fehlte der Anspruch. Allerdings hat sich dies dann doch rasant geändert und am Ende war ich mehr als angetan. Die Rezension dazu folgt.

Vom Leben mit der Angst

Das ist gleichsam Teil des Buchtitels von Rattatatam, mein Herz von Franziska Seyboldt. Die Journalistin thematisiert in ihrem Debütroman ihre generalisierte Angststörung und die damit einhergehenden Probleme, zeigt aber auch Chancen auf, sich selbst besser kennen zu lernen und sich mit dieser psychischen Erkrankung anzunehmen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie belastend Panikattacken sein können und bin vom Buch vollkommen überzeugt, denn es macht einen Unterschied, ob ein Betroffener selbst berichtet oder jemand lediglich von seinem auswendig gelernten theoretischen Wissen berichtet. Hier folgt die ganze Rezension.

Mörderisches für die Ohren

Nachdem ich Mörderinnen und Mörder von Veikko Bartel gelesen und für sehr gut befunden hatte, wollte ich mehr über diese Thema erfahren. Mein erstes Hörspiel nach einer gefühlten Ewigkeit war 9 1/2 perfekte Morde vom Rechtsanwalt Alexander Stevens. Dieser berichtet höchstpersönlich von wahren Fällen und stellt zu Beginn die Frage, ob es den perfekten Mord wirklich gibt. Ich hatte das Hörspiel schnell durch und fand es meist spannend und informativ.

Statistische Werte

Mein Lesemonat April kommt an den März nicht heran. Wie oben erwähnt sind es leider nur drei Bücher geworden. Gelesen habe ich 512 Seiten und fünf Stunden gehört. Im Schnitt habe ich 2,7 Tage für ein Buch benötigt. 4,3 vergebene Sterne sind es geworden und unter den drei Büchern war ein Rezensionsexemplar. Ein Buch habe ich zudem gekauft und das Hörspiel geliehen. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle beim dtv Verlag für das Rezensionsexemplar zu Und dann weiss jeder, was ihr getan habt.


War euer April lesereicher?

*Die Rechte an den Bildern liegen bei den jeweiligen Verlagen