Too late ist ein Thriller der amerikanischen Schriftstellerin und Bestseller-Autorin Colleen Hoover. Erschienen ist das Buch im Frühjahr 2019 im Bold-Verlag bei dtv. Inhaltlich geht es um die Studentin Sloan, die in einer unglücklichen Beziehung gefangen ist und unter ihrem besitzergreifenden Partner leidet. Als sie einem anderen Mann begegnet, versucht sie mehr und mehr auszubrechen. 

Sloan ist eine junge Studentin in den Zwanzigern. Seit über zwei Jahren ist sie mit dem etwas älteren Asa liiert, der Sloan vor allem mit Macht an sich zu binden versucht. Gemeinsam leben sie in deren Haus, sind dort aber nie ungestört, denn Asa arbeitet als Drogenboss und lässt seine Dealer bei sich wohnen. Laute Musik und exzessive Partys sorgen dafür, dass Sloan kaum Schlaf findet und sich immer weniger auf ihr Studium konzentrieren kann. Im Spanischkurs lernt sie unerwartet Carter kennen, der ihr sofort sympathisch und so ganz anders als Asa ist. 

Die Mutter von Sloan ist drogen- und alkoholabhängig, sodass sie nicht in der Lage war, sich um ihre Kinder zu kümmern. Neben Stephen, den sie sehr liebt und der aufgrund einer Behinderung in einem Heim untergebracht ist, hatte Sloan einen weiteren Bruder, der aber verstorben ist. Die trostlose Beziehung zu Asa unterhält Sloan weniger aus Liebe, als viel mehr aus Abhängigkeit. Sloan hat bis auf ihren Bruder keine Familie und auch keinerlei soziale Kontakte. Asa kommt für die Heimkosten ihres Bruders auf, wofür sie ihm so dankbar ist, dass sie dafür bereit ist, ein äußerst grausames Leben zu ertragen.

„…aber ich bin davon überzeugt, dass alles im Leben nichts anderes als Zufall ist. Entweder man überlebt oder man stirbt. Vom ersten Atemzug bis zum letzten wird unsere Reise durch das Leben von Zufall und nicht von Wundern oder göttlichem Eingreifen bestimmt, und es ist scheißegal, wie oft man betet. Es gibt keinen Masterplan. Manchmal liegen zwischen Leben und Tod nur ein paar Zentimeter.“

Carter wird als Undercover-Cop in das Haus von Asa geschleust, um diesem das Handwerk zu legen. Als ihm aber bewusst wird, das Sloan, die junge Frau aus dem Spanischkurs, die Freundin des gefährlichen Drogenbosses ist, gerät sein Plan ins Wanken. Er verliebt sich in Sloan und ist fortan nicht mehr nur beruflich motiviert. Nach und nach spitzen sich die Dinge zu und bald ist ein Zusammenleben mit Asa für Sloan kaum noch möglich. Asa hingegen liebt Sloan wie besessen und sieht sie als seinen rechtmäßigen Besitz, den er nie teilen würde.

Hoover ist bekannt für ihre packenden Geschichten und hat mit Too late auch ein fesselndes, spannendes Buch geschrieben. Von Beginn an ist man als Leser mittendrin in der Handlung und kann das Buch schwer aus der Hand legen. Viel zu aufregend und sich immer wieder überschlagend sind die Ereignisse. Die Partnerschaft von Sloan und Asa ist eine, die sich wohl niemand wünscht. Sie gleicht einem Alptraum und ist furchteinflößend. Asa ist wie vernarrt in Sloan und lässt sie das täglich spüren. Verbale Entgleisungen und sexuelle Grenzüberschreitungen sind an der Tagesordnung. 

Der Schreibstil ist bewegend, die Story berauschend. Sicherlich ist Too late ein ganz anderes Buch, eines, das es so von der Autorin bisher nicht gegeben hat. Leider findet das große Lese-Abenteuer ab Seite 300 ein jähes Ende, denn fortan verliert sich die Handlung in Absurditäten und ist nicht mehr nachvollziehbar. Das Verhalten von Sloan und Carter erscheint mir vollkommen grotesk, die bis dahin verströmende Romantik beider gleitet in kitschige Phrasen ab. Zudem werden Polizeiarbeit und amerikanisches Rechtssystem mehrfach widersinnig dargestellt. Das führte unweigerlich dazu, dass der anfängliche Lesegenuss großer Ernüchterung wich.

Die letzten ca. 150 Seiten werden als Epilog und Epilog vom Epilog gekennzeichnet, was bei mir auch für große Verwirrung sorgte. In Kombination mit diversen Logik-Fehlern, verliert die Geschichte an Authentizität und Spannung. Vielleicht erklären sich diese Ungereimtheiten auch damit, das die Aufzeichnungen für Too late eher zufällig entstanden, der Autorin als Auszeit zwischen ihren anderen Buchprojekten dienten. Anders ist schwer zu erklären, wie das über weite Strecken gelungene Buch im weiteren Verlauf so viele Schwächen offenbart.

Das Buch habe ich in einem Buddy-read gemeinsam mit meiner Lieblings-Buchbloggerin Janika von Zeilenwanderer gelesen.

Colleen Hoover wurde 1979 im texanischen Sulphur Springs, in den Vereinigten Staaten geboren. Ab 2001 widmete sie sich intensiv dem Schreiben. Sie ist New-York-Times-Bestseller-Autorin und hat drei Söhne. 

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Colleen Hoover: Too late. Aus dem Amerikanischen Englisch von Katarina Ganslandt. Bold Verlag bei dtv, München 2019. 464 Seiten. 14.90€.