*Rezensionsexemplar.

Sex und Lügen – Gespräche mit Frauen aus der islamischen Welt ist ein Sachbuch aus dem Jahr 2018, geschrieben von Leïla Slimani. Veröffentlicht wurde das Buch im btb-Verlag im Hause Randomhouse. Die gebürtige Marokkanerin beschäftigt sich mit einem der größten Tabuthemen der islamischen Gesellschaft, Sexualität, und deckt auf, welch unterschiedliche Rechte Männer und Frauen auch heute noch haben.

Slimani gibt Frauen aus der islamischen Welt eine Stimme. Selbst aus Marokko stammend weiß sie genau, wie schwer es Frauen in dem Land ihrer Eltern haben, wenn es darum geht, offen zu ihrer Sexualität zu stehen. Wer sich als Frau allein auf die Sraße wagt, offen zu seinen Gefühlen steht und seine Partner frei wählt, bringt damit Schande über seine Familie. Die Gesetzeslage geht sogar so weit, das Homosexualität und Ehebruch mit Gefängnis betraft werden. Obwohl Religion in islamischen Ländern eine wichtige Rolle spielt und auch Frauen diese achten, gibt es eine große Zahl unter ihnen, die ein Doppelleben führen, um ihre Sexualität ausleben zu können.

„…und die dennoch fnden, dass man leben und leben lassen soll und dass jeder Mensch ein Recht auf Würde und Schutz hat. Das ist keine bürgerliche oder westliche Moral, es widerspricht in nichts dem, was den Kern der marokkanischen Kultur ausmacht. Der Weg der Aufklärung ist keinem Volk und keiner Religion vorbehalten, wir alle müssen ihn anstreben.“

Die Autorin nimmt sich Zeit, um marokkanische Frauen unterschiedlichen Alters und ganz verschiedenen Sozialisationen, gänzlich ungefiltert und vorurteilsfrei Raum zu geben, ihre Erfahrungen mit Sexualität zu schildern. Die Erzählerinnen sind verschieden und haben doch eines gemeinsam: sie spüren eine tiefe Zerrissenheit gegenüber ihrem Land. Da ist zum Einen die Religion und Tradition und zum Anderen der drängende Wunsch nach Selbstbestimmung. Slimani gewährt wichtige Einblicke in die Regeln und Traditionen ihres Heimatlandes und prangert immer wieder die schizophrene gesellschaftliche Denkweise an.

Marokko rangiert auf Platz fünf der Länder weltweit, die Pornografie konsumieren. Viele Männer im Land besuchen regelmäßig Prostituierte um ihre sexuelle Lust zu stillen, während Frauen das Recht auf freie Sexualität verwehrt bleibt. Diese Tatsache allein ist bezeichnend für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Ein Umdenken muss stattfinden, damit es auch Frauen ermöglicht wird, sich frei zu fühlen, ihren ganz natürlichen, menschlichen Bedürfnissen nachzugehen. Insgesamt sind es sechzehn Geschichten von Frauen, die Slimani nieder geschrieben hat, die alle auf ihre eigene Weise wachrütteln und nahe gehen.

Leïla Slimani beeindruckt durch ihre klaren Aussagen, ihre wichtige Botschaft und ihren unerschöpflichen Mut. Absolut ein Buch, das man gelesen haben sollte.

Leïla Slimani wurde 1981 in Rabat, Marokko geboren. Im Jahr 1999 ging Slimani nach Paris um dort Medien und Politik zu studieren. Ab 2008 arbeitete sie als Journalistin für ein französisch sprachiches Wochenmagazin zu Politik und Wirtschaft vom afrikanischen Kontinent. Für ihren Roman Chanson Douce (dt. Dann schlaf auch du) bekam sie den Prix Goncourt. Slimani lebt in Frankreich.

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Leïla Slimani: Sex und Lügen. Gespräche mit Frauen aus der islamischen Welt. Sachbuch. Sexe et Mesonge. btb Verlag, Randomhouse, München 2018. 208 Seiten. 12€.

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