*Rezensionsexemplar.

So schöne Lügen ist ein Roman der amerikanischen Schriftstellerin Tara Isabella Burton, welcher im Mai 2019 im Dumont Verlag erschienen ist. Die Protagonistin des Buches, Louise, versucht sich in New York durchzuschlagen, was zunächst zu gelingen scheint. Schnell aber gerät sie in den Strudel sozialer Abgründe.

Louise ist zwanzig Jahre alt und gerade in die amerikanische Metropole gezogen. Mit Gelegenheitsjobs hält sie sich finanziell über Wasser und lernt so Lavinia kennen, die ganz anders ist als Louise. Sie wohnt auf der Upper East Side, führt ein glamouröses Leben und muss sich um Finanzen keine Sorgen machen. Lavinia und Louise werden enge Freundinnen, die fast ihre gesamte Zeit miteinander verbringen. Lavinia hat eine ausgefallene, schwierige Persönlichkeit, was Louise zunächst aufregen findet. Bald muss sie jedoch feststellen, dass die Verbindung zu Lavinia vor allem durch Macht und Abhängigkeit geprägt ist.

Während Lavinia in Saus und Braus lebt, ihren Lebensstil von ihren Eltern finanziert bekommt und in superteuren Klamotten Partys feiert, ist Louise darauf angewiesen Nachhilfeunterricht zu geben und in einem Café zu jobben. Louise hat einen Traum, sie möchte Schriftstellerin werden und hat sich für dieses Vorhaben New York als Wahlheimat ausgewählt. Die Stadt übt mit ihrer Imposanz einen großen Reiz auf sie aus und auch die Verbindung zu Lavinia tut ihr anfangs gut. Irgendwann aber bleiben nur noch oberflächliche Gespräche, uncharmante Bekannte von Lavinia, durchzechte Nächte in Clubs, in denen Louise immer öfter auf Drogen zurückgreift und die Launen Lavinias, die immer mehr zu Klammern beginnt und Louise für sich vereinnahmt.

„Und das Einzige, was man tun kann, ist der zu sein, der man ist, und das ist das Beste und das Schlechteste auf der Welt und vielleicht alles, was Louise je gewollt hat.“

Obwohl Louise ehrgeizig war und täglich an ihrem ersten Buch schreiben wollte, gerät dieses Vorhaben immer mehr in den Hintergrund. Sie verliert ihren ersten Job, weil sie immer öfter zu spät kommt und sich ganz Lavinia verschreibt. Louise zieht bei ihrer Freundin ein und lebt fortan größtenteils auf deren Kosten, weshalb sie sich verpflichtet fühlt, Lavinia auf ihre Partys und diversen Veranstaltungen zu begleiten, auch wenn sie keine Lust hat oder müde ist. Für Louise ist Lavinia lange das Beste, was ihr passieren konnte. Das schillernde, intensive Leben wird aber mehr und mehr zur Gefahr und endet in einer Katastrophe.

Burton ist es gelungen, einen temporeichen, intensiven und verstörenden Roman zu schreiben, der die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die großes Talent und große Ambitionen hat, diese aber gegen ein Leben im Luxus eintauscht, in dem Glauben, dadurch voran zu kommen. Die Charaktere sind selten sympathisch, aber gerade dadurch äußerst brisant und mit dem Thema harmonierend gezeichnet. Das Buch aus der Hand zu legen fällt schwer, weil die Geschichte immer mehr an Fahrt aufnimmt und die menschlichen Abgründe aufzeigt.

Die häufig sehr vulgäre, grobe Sprache ist zunächst gewöhnungsbedürftig, passt aber zum Setting und dem Inhalt von So schöne Lügen. Das Besondere sind die Fassaden, mit denen die Figuren dem Leser begegnen. Nicht viel ist wie es zunächst scheint und zurück bleibt ein bedrückendes Gefühl aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse und dem überraschenden Ende.

Ein Buch das schockiert und betroffen macht, aber immer den Nerv der Zeit trifft.

Tara Isabelle Burton wurde 1990 in New York, USA geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend sowohl in Amerika als auch in Italien und Frankreich. Burton studierte Theologie und Romanistik. Anschließend schrieb sie Texte für verschiedene Magazine. 2012 bekam sie den Shiva Naipaul Memorial Prize und 2016 den Lowell Thomas Award. Sie arbeitet als Redakteurin beim Nachrichtensender Vox.

★ ★ ★ ★


Tara Isabella Burton: So schöne Lügen. Roman. Social Creature. Aus dem Amerikanischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann. Dumont Buchverlag, Köln 2019. 336 Seiten. 22€.

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