Samstag, März 30th 2019

Veikko Bartel
Mörder

Auf seinen ersten Band Mörderinnen folgt Veikko Bartels Mörder, welcher das männliche Pendant darstellt. Bartel ist ehemaliger Strafverteidiger, der in seinen Büchern von realen Fällen aus der Praxis berichtet. Mörder erschien im Februar 2019 im Mosaik-Verlag aus dem Hause Randomhouse.

Veikko Bartel hat rund 40 Tötungsfälle in seiner aktiven Zeit als Strafverteidiger vor Gericht vertreten. In seinem zweiten Buch erzählt er von den Beweggründen, die Männer zum Töten verleiten. Sechs Fälle sind es diesmal an der Zahl und genau wie in Mörderinnen schreibt Bartel auch hier in Romanform. Und auch diesmal stellt der Autor die Frage nach der Gerechtigkeit. Spannend und informativ gewährt Veikko Bartel Einblicke in sein Berufsleben.

„Strafverteidigung ist Pokern mit dem Schicksal eines Menschen. Und du bist als Verteidiger permanent »All In.“

Die allumfassende Frage mit der sich das Buch beschäftigt ist die nach dem Tatmotiv. Warum töten Menschen? Die Fälle haben mich insgesamt sehr schockiert und nachdenklich gemacht. Dennoch oder gerade deswegen konnte ich das Buch schwer aus der Hand legen, denn trotz unmenschlicher Vergehen ist Mörder unterhaltsam und interessant geschrieben. Neben den Fällen selbst ist es die große Antipathie gegen seinen Berufsstand den Bartel thematisiert. Dabei bedient er sich einiger Anekdoten aus seiner beruflichen Vergangenheit.

Besonders die ersten beiden Fälle haben mich sehr bewegt und mir ein ums andere Mal Gänsehaut beschert. Dabei geht es um einen Finanzbeamten welcher aus Affekt seine Frau tötet und einen Mann der auf der Suche nach einem geregelten Leben in einer Drückerkolonne landet und am Ende keinen Ausweg als das Morden sieht. Es sind neben Unverständnis und großer Abscheu aber auch Gefühle wie Mitleid und Bedauern, die beim Lesen geweckt werden.

Das Cover, das möchte ich unbedingt hervorheben ist unaufdringlich und schlicht gestaltet was auch bei seinem Vorgänger der Fall war. Auch im Buch selbst gefällt mir die einfach, aber dennoch ansprechende Formatierung sehr gut. Der Schreibstil ist dem Thema entsprechend flüssig und animiert durch seine faktenreichen Zeilen stets zum Weiterlesen.

Auch der zweite Band von Veikko Bartel konnte mich überzeugen. Die mit vielen Fakten gespickten Berichte über die Leben seiner Angeklagten bis hin zu deren Taten gehen nah.

Veikko Bartel wurde 1966 in Karl-Marx-Stadt geboren. Nach der Wiedervereinigung studierte er Jura und arbeitete von 1996 bis 2011 als Rechtsanwalt in Potsdam. Seit 1998 war er als Strafverteidiger aktiv. Mittlerweile ist er Dozent für Steuerrecht. Bartel lebt mit seiner Familie in Potsdam.

★ ★ ★ ★


Veikko Bartel: Mörder. Fälle aus der Praxis eines Strafverteidigers. Mosaik-Verlag, München, 2019. 18€.

0

Kommentare

  1. Am Samstag, März 30th 2019 Zeilenwanderer sagt:

    Hallo meine Liebe,
    ich kann mir gut vorstellen, dass ein Buch wie dieses dich ordentlich bewegt hat. Mir gehen solche Geschichten auch nicht aus dem Kopf, wenn ich mal auf sie stoße. Gleichzeitig üben sie auch eine Faszination auf mich aus, einfach weil gewisse Dinge so erschreckend sein können. Ich bin da ja auch ein großer Fan des Podcasts „Zeit: Verbrechen“, in dem Verbrechen von vorne bis hinten aufgeschlüsselt werden.
    Ich merke mir das Buch jedenfalls einmal 🙂
    Alles Liebe
    Janika

  2. Am Samstag, März 30th 2019 Kate sagt:

    Hallöchen,
    ich finde es wirklich interessant, dass dich „Mörder“ so begeistert hat. Im Dezember hat mich „Mörderinnen“ glatt umgehauen, weil ich es so unfassbar gut fand. „Mörder“ hat mich dann irgendwie enttäuscht, weil sie Spannung für mich nicht mit dem ersten Band mithalten konnte. Das fand ich so schade, aber ich hoffe, dass Bartel weiterhin ein paar seiner Fälle festhalten wird, denn ich fand sie an sich total interessant.
    Liebste Grüße, Kate

    1. Am Samstag, März 30th 2019 Zeilentänzerin sagt:

      Das ist tatsächlich interessant. Aber eben: Geschmäcker sind verschieden =) Ich weiß gar nicht, ob ich den ersten Band besser fand oder den zweiten. Mir gefielen irgendwie beide auf ihre Art.

Schreib etwas zum Beitrag

@zeilentaenzer_org