Der September hatte es bei mir lesetechnisch in sich, meine Lieben, das kann ich euch sagen. Ich kann es selbst nicht fassen und weiß auch gar nicht recht, wie das gelingen konnte, aber, ohne es wirklich gewollt zu haben, habe ich in diesem Monat sage und schreibe neun Bücher gelesen. Das habe ich im Januar schon einmal geschafft, hatte da aber auch eine Woche frei. Ich bin mit meinem aktuellen Lesemonat also mehr als zufrieden. So kann es doch weitergehen. 

 

Hexen und Magie

Los ging es im September mit einem Diogenes-Buch, diesmal und zum ersten Mal, einem von Banana Yoshimoto. Eines ihrer älteren Bücher, Ihre Nacht, fiel mir spontan im Buchladen in die Hände und durfte mit. Versprochen habe ich mir nicht viel, war dennoch etwas enttäuscht, als ich in die Geschichte eingetaucht bin. Statt um eine realistische Story mit einer jungen japanischen Protagonistin, ging es um viel Magie und eine traumatische Familiengeschichte rund um die Mutter der Hauptfigur. Dabei spielen Hexenwerk und Fantasy für mich eine zu große Rolle. War leider nichts für mich. Warum genau, lest ihr hier.   

 

Großes Herz, wenig Liebe

Und es ging sogar weiter mit einem Buch aus dem Hause Diogenes und auch mit einer für mich bisher unbekannten Autorin. Natürlich sagt mir Amélie Nothomb etwas, gelesen hatte ich von ihr bisher aber nichts. Das änderte sich mit Klopf an Dein Herz. Die Geschichte rund um ein kleines Mädchen, das als Kind keinerlei Liebe durch die eigene Mutter erfährt und später Kardiologin wird, ging mir sehr nahe. Obwohl das Buch keine 200 Seiten lang ist, konnte mich Nothomb mit dem Erzählten ganz tief berühren und nachhaltig beeindrucken. Eine unbedingte Leseempfehlung meinerseits. Warum genau, steht hier

 

Es wird düster und finnisch

Von Johan Bargum´s Roman Nachsommer, welcher bereits Anfang der Neunziger Jahre erschien, hatte ich bis dato nichts gehört. Mein diesmonatiges Book Blind Date vom Literarischen Nerd änderte dies. Erzählt wird die Geschichte einer finnischen Familie, die seit Jahren kein gutes Verhältnis zueinander pflegt. Geheimnisse und unausgesprochene Worte machen es den Angehörigen schwer, aufeinander zuzugehen. Am Sterbebett der Mutter treffen zwei Brüder aufeinander und haben sich (eigentlich) einiges zu sagen. Das Setting bildet ein Landhaus in den südfinnischen Schären. Sprachlich und inhaltlich konnte mich Bargum voll und ganz einfangen. Hier gehts zur Rezension.

 

Ein perfekter Thriller

Ja ja, ich weiß, schon wieder ein Cover des Verlages, den ich so schätze. Aber die Bücher sind nunmal sooo gut. Danke Diogenes! Dror Mishani´s Drei hat mich so aus den Socken gehauen, dass ich immer noch sprachlos bin. Ich habe kaum Erwartungen gehabt und die wurden bei Weitem übertroffen. Ein Thriller, der seinesgleichen sucht. Eine unfassbar intelligente Geschichte mit massenhaft ungeahnten Wendungen, spannenden Figuren und einem richtig guten Ende. Drei Frauen treffen den selben Mann und alle scheinen auf ihn reinzufallen. Aber weiß er genau, was er tut? Diese Frage wird sich klären.  Ohne zuviel zu verraten, verweise ich direkt auf meine Rezension

 

Auf der Flucht

In Das Meer am Morgen berichtet die italienische Schriftstellerin Margaret Mazzantini von Menschen auf der Flucht. 2011 flieht Jamila mit ihrem Sohn Farid aus Lybien Richtung Europa und muss auf ihrer Reise schwere Schicksalsschläge einstecken. Vito ist achtzehn Jahre und lebt in Sizilien. Seien Mutter Angelina kommt ursprünglich aus Lybien und vermisst ihre Heimat sehr. Vor allem ihre erste große Liebe beschäftigt sie und ihre Sehnsucht nach Heimat ist durchweg spürbar. Deshalb reist sie mit Vito in ihr Vaterland und muss sich dort der Realität stellen. Poetisch, verständnisvoll und sehr emphatisch schildert Mazzantini vom Leben auf der Flucht, vom Ankommen wollen, scheitern und aufstehen. Unglaublich schön, unglaublich schrecklich. Hier gibts mehr. 

 

Ost-West-Konflikt

Die Mauer ist bei vielen Menschen, sowohl im Osten, als auch im Westen Deutschlands immer noch ein Thema. Zumindest wenn es um Vorurteile geht. Anja Goerz hat 2014 ein Buch geschrieben, indem Menschen aus der ehemaligen DDR zu Wort kommen, ihre Geschichten erzählen, von Sehnsüchten, Hoffnungen und Ängsten berichten. Sowohl Prominente, als auch Menschen wie du und ich sind ihre Gesprächspartner. Fast alle haben eines gemeinsam: sie stellen sich gegen das diktatorische System der Deutschen Demokratischen Republik. Einfühlsam und interessiert begegnet Goerz ihren Interview-Partnern und bekommt ehrliche Antworten. Mich hat das Buch aus persönlichen Gründen berührt, gleichsam hoffe ich, dass die Menschen in Deutschland fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich zusammen rücken. Meine Rezension gibts hier

 

Keine Frau wie sie

Schon so lange lag Seltene Affären von Thommie Bayer ungelesen in meinem Bücherregal. In diesem Monat griff ich dann endlich zur der Lektüre rund um einen 62jährigen Single-Mann, der allein in Südbaden lebt und unter der Woche ein Feinschmeckerrestaurant in Lothringen führt. Seit Jahrzehnten ist Peter in die Frau seines Bruders verliebt und hat seitdem keine getroffen, die ihm das geben konnte, was sie ihm gab. Deshalb hat er unbedeutende Affären und fühlt sich aufgrund eines Ereignisses mit dieser verpflichtet, seinem Bruder, der Schriftsteller ist, in aller Regelmäßigkeit Kurzgeschichten zu liefern, da dieser schreibtechnisch am Limit ist. Sein eher träges Leben in Deutschland bekommt Feuer, als eine neue Putzkraft bei ihm beginnt. So richtig mitreißen konnte mich die Geschichte leider nicht, dennoch ist es ein solider Roman für zwischendurch. Hier gibts mehr.

 

Deutschland für Kinder

Der September war ein wahrer Zufallsmonat, wenn es darum geht, was ich gelesen habe. Auch Das ist Deutschland von Verena Körting, entdeckte ich beim Stöbern in der Buchhandlung. Es handelt sich um einen Bildband von Deutschland, der vor allem Kindern „ihr“ Land näher bringen soll. Alle Bilder sind illustriert, es handelt sich also nicht um Fotografien. Ich bin völlig begeistert gewesen. Allein optisch ist das Buch ein wahrer Hingucker. Zudem finden sich am Ende viele nützliche Informationen zu allen sechzehn Bundesländern. Die Illustrationen sind sehr gelungen und malerisch. Ein großes Muss! Die Rezension folgt.

 

Das Leben kann nur rückwärts verstanden werden

Sehr bewegend fand ich auch Der Beginn von Carl Frode Tiller. Das Zitat stammt von Søren Kierkegaard und passt perfekt zu der Geschichte des Buches. Terje liegt nach einem Suizidversuch im Sterben. So beginnt das Buch. Folglich lässt er sein Leben Revue passieren. Von der alkoholkranken Mutter, dem abwesenden Vater, dem schwierigen Verhältnis zu seiner Schwester, seinem Beruf, über das Familienleben mit Frau und Tochter, ist alles dabei. Die Kapitel erzählen von Gegenwart bis in die tiefste Vergangenheit, wie es soweit kommen konnte. Insgesamt hat mich die Story durchaus berührt und auch angesprochen. Mit den Figuren aber wurde ich nie so ganz warm. Mehr gibts bald.

 

Statistische Werte

Der September hielt also eine ganze Menge Lesestoff für mich bereit. Neun Bücher waren es an der Zahl. Natürlich bleibt zu erwähnen, dass darunter auch ein paar sehr kurze und ein Bildband waren. Nichts desto trotz freue ich mich, das der September so erfolgreich war. Gelesen habe ich 1750 Seiten und dabei im Schnitt 3,8 Sterne vergeben. Pro Buch habe ich 2,7 Tage gebraucht. 3 Bücher waren Rezensionsexemplare, 6 habe ich selbst gekauft, worauf ich diesen Monat sehr stolz bin.


Wie sah euer September lesetechnsich aus?

*Die Rechte an den Bildern liegen bei den jeweiligen Verlagen

0