Dienstag, Januar 22nd 2019

Persönliche Lesegewohnheiten

Bereits im vergangenen Jahr wollte ich mich der Frage nach persönlichen Lesegewohnheiten intensiv widmen, um euch anschließend daran teilhaben zu lassen. Diesen Beitrag möchte ich deshalb genau dazu nutzen. Jeder von uns hat ganz eigene Vorstellungen davon, welche Bedingungen es braucht, um den eigenen Lesekomfort erfüllt zu sehen und das Lesen selbst zu einem Erlebnis werden zu lassen. Anfangen möchte ich aber damit, wie ich überhaupt zum Lesen gekommen bin, welche Genres mich hauptsächlich interessieren, um euch anschließend meine individuellen Lesegewohnheiten näher zu bringen .

Beginn einer Leidenschaft und die Suche nach dem richtigen Genre

Ich habe meine Leidenschaft für das Lesen erst ziemlich spät entdeckt. Obwohl ich als Kind an einem Vorlesewettbewerb teilnahm und prompt gewann, ich immer viele Bücher hatte, blieb das Lesen in unsere Familie vor allem meiner Mama vorbehalten. Anders als bei vielen anderen Leseratten, konnten mich Bücher erst sehr spät begeistern und so kam ich eher zufällig zum Lesen. So richtig angefangen hat tatsächlich alles erst vor anderthalb Jahren. Damals hatte ich gerade eine sehr schmerzliche Trennung hinter mir und habe mich abzulenken versucht. Im Gegensatz zu manch anderem, der die Ablenkung im Ausgehen mit Freunden sucht, habe ich mir Geschichten von anderen Betroffenen durchgelesen und Sachbücher zum Thema herangezogen. Das hat mir sehr geholfen.

Nach und nach kamen tolle Bücher, vor allem aus dem Bereich der Gegenwartsliteratur hinzu und ich mauserte mich zu einem echten Bücherwurm. Ich habe das Lesen wirklich schätzen gelernt. In Geschichten einzutauchen und den verschiedensten Menschen zu begegnen, fand ich wahnsinnig spannend. Innerhalb kürzester Zeit habe ich dann eine beträchtliche Anzahl von Büchern angesammelt, sodass schnell neue Regale her mussten. Anschließend habe ich einen Buchblog gestartet, der unter dem Namen Leselaunen lief. Zu meinen bevorzugten Genres gehörten fortan Romane / Erzählungen, Thriller, Biografien, sowie Sachbücher.

Genres mit denen ich wenig anfangen kann, sind bis heute Fantasy und Liebesromane, was hauptsächlich daran liegt, dass für mich fantastische Geschichten aufgrund ihrer Ferne zur Realität nicht greifbar sind. Ich möchte mich mit den Protagonisten identifizieren können und dazu gehört aus persönlicher Sicht ein authentischer Charakter, der für mich in den Meisten Fantasy-Büchern nicht gegeben ist. Ich möchte dabei aber nicht unerwähnt lassen, dass es meine ganz persönliche Ansicht ist und ich dabei niemandem zu Nahe treten möchte. Sicherlich gibt es ganz wunderbare Fantasy-Bücher, sie sind einfach nichts für mich.

Ich finde es dennoch sehr bereichernd, dass andere Bücherwürmer genau in diesem Genre ihre Leseheimat gefunden haben, denn so werde ich auf unbekannte Bücher aufmerksam und komme in den Austausch über Bücher und litraturverwandte Themen. Liebesromane ähneln sich häufig stark in ihrem Content und oft sind mir die handelnden Charaktere zu flach. Ein gutes Buch zeichnet sich für mich durch eine kluge Idee, gute Dialoge, identifizierbare Charaktere, einen fesselnden Schreibstil und ungeahnte Wendungen aus, was mir in Liebesromanen aufgrund ihrer Konformität oft fehlt.

Romane / Erzählungen haben es mir wohl am Meisten angetan. Es gibt unsagbar viele, wundervolle Bücher, die unter diese Rubrik fallen, auch wenn sich diese Gattung schwer definieren lässt. Wie oben erwähnt, mag ich Bücher aus der Gegenwartsliteratur sehr gerne. Ich mag hierbei die sehr menschlich gezeichneten Charaktere und die gut konstruierten Geschichten. Vor wenigen Monaten habe ich dann auch Sachbücher für mich entdecken können. Hierbei ist es vorwiegend das Thema Psychologie, was mich anspricht. So zum Beispiel zwischenmenschliche Beziehungen, Sexualität und Liebe. Und auch Biografien gehören in mein Bücherregal. Die Leben von Sylvia Plath und Johnny Cash haben mich tief beeindruckt, wenn auch oft schockiert. Auch Thriller können eine gute Partie abgeben, allerdings braucht ein Thriller einiges, um von mir als gut befunden zu werden. Fehlt es möglicherweise an Logik und Spannung (was ich in diesem Genre häufig erlebe), dann breche ich ein solches Buch auch mal ab.

Was es zu meinem Leseerlebnis braucht

Es gibt bei mir kein vorgefertigtes Schema, welches ich immerzu anwende, um mich in Lesestimmung zu bringen. Bei anderen leidenschaftlichen Lesern gehören häufig feste Plätze, ein warmes Getränk, Kekse oder auch Duftkerzen dazu. Ich würde von mir behaupten da sehr wenig Komfort zu benötigen. Einen Platz, den ich immer nutze gibt es nicht. Ich lese sowohl auf dem Sofa, im Bett vor dem Einschlafen, im Bus und Zug oder auch im Sommer auf dem Balkon oder im Park. Tatsächlich lese ich jedoch hauptsächlich in öffentlichen Verkehrsmitteln, weil ich kein Auto fahre, auf diese angewiesen bin und es eine schöne Gelegenheit ist, nervige Wartezeiten und lange Fahrten zu überbrücken.

Zuhause tun es mein Sofa und eine kuschelige Decke voll und ganz. Ich versuche das Buch nicht mittendrin wegzulegen, sondern ein Kapitel zu beenden, bevor ich mit dem Lesen aufhöre. So komme ich beim Weiterlesen besser wieder in die Geschichte rein, ohne das Verwirrung aufkommt. Das funktioniert natürlich nicht immer, sodass es nur im Optimalfall gelingt. Wichtig ist mir eigentlich nur, dass ich gemütlich sitzen oder liegen kann, ich Zeit habe mich auf die Geschichte einzulassen und das Buch im besten Fall ein Gutes ist.

Lesen stellt für mich einen großen Mehrwert dar. Ich bilde mich weiter, kann meiner Fantasie Ausdruck verleihen, dem Alltag entfliehen und spannende Charaktere kennen lernen, die zwar fiktiv sind, mir dennoch häufig ans Herz wachsen. Ein aus meiner persönlichen Sicht gelungenes Buch punktet mit einem fesselnden Schreibstil und einer gut konstruierten Geschichte. Weiter sind es die Protagonisten selbst, an die ich Ansprüche stelle. Dahin plätschernde Handlungen, komplizierte oder geistlose Erzählstile und langweilige Figuren, die nicht nachvollziehbar handeln,  lassen mich ein Buch auch mal abbrechen.

Grundsätzlich habe ich aber natürlich den Anspruch, ein Buch bis zum Ende zu lesen. Beginne ich also eine Geschichte, beende ich sie in der Regel auch. Andernfalls könnte man mir leicht die Authentizität meines Bloginhaltes absprechen, denn es geht ja vor allem darum, nicht nur Rezensionen zu Büchern zu verfassen, die persönlich überzeugen konnten. Hierbei müssen demzufolge auch solche erwähnt werden, die enttäuscht haben. Wenn eine Geschichte mich gleich zu Beginn ratlos zurück lässt, mich verwirrt und mir jede Lust am Lesen nimmt, kommt es vor, dass ich es vorzeitig beende. Um die Stellen zu markieren, an denen ich das Buch pausiere, nutze ich sowohl klassische Lesezeichen, als auch Kassenbons und Fresszettelchen. Eselsohren versuche ich grundsätzlich zu vermeiden, was mir auch fast immer gelingt.

Den Lesestatus immer im Blick

GoodReads ist eine internationale Buch-Community, die den meisten Lesern bekannt sein dürfte. Die Plattform bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, darunter die, Bücher zu archivieren und eigene Listen zu erstellen, mit anderen Buchbegeisterten in Kontakt zu treten, neue Bücher kennen zu lernen, sowie Rezensionen zu schreiben und zu lesen. Seit 2011 kann man über GoodReads an einer jährlich datierten ReadingChallenge teilnehmen, in welcher sich persönliche Leseziele festlegen lassen. In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, 60 Bücher zu lesen. Aktuell habe ich in 2019 sieben Bücher gelesen und bin mit diesem Stand sehr zufrieden. Während des Lesens eines Buches kann man den persönlichen Stand aktualisieren.

Buch versus Hörbuch

Kürzlich habe ich mich dem Thema Hörbücher genähert, wozu es einiger Überredungskünste anderer Buchmenschen bedurft hat. Geschichten in Buchform ziehe ich einem Hörbuch weiterhin vor. Ich mag den Geruch frisch gedruckter Seiten, ansprechende Lesezeichen in allen Variationen, Post-its um meine liebsten Stellen zu markieren und ein Buch als solches in der Hand zu halten. Zudem liebe ich den Blick in meine Bücherregale, die erst deshalb so voller Leben sind, weil sich darin all die Bücher versammeln, die zu mir gehören. Ein Bücherregal spiegelt immer auch etwas die Persönlichkeit seines Eigentümers wieder. Bücher sind für mich immer ein Erlebnis, in Papierform umso mehr.

Nichts desto trotz gibt es Gelegenheiten, in denen ein Hörbuch die bessere Wahl ist und auch ich diesem einem Buch vorziehe. Dies kann zum Beispiel bei der Hausarbeit oder beim Kochen der Fall sein, aber auch nach einem langen Arbeitstag, an dem es abends schwer fällt sich noch auf Text zu konzentrieren. Hörbücher lassen sich beliebig pausieren, elektronische Lesezeichen erleichtern es, den Lesestand festzuhalten und Hörbücher haben den Vorteil, dass sie keinen räumlichen Platz einnehmen. Gerade unterwegs lassen sich auf diese Weise geliebte Bücher tragen, ohne dabei schwer schleppen zu müssen.

Hörerlebnis Audible

Meine Hörbücher beziehe ich über die Online-Plattform Audible. Beim Finden eines Hörbuch-Anbieters gelangte ich schnell zu dem Portal, welches Amazon zugehörig ist. Wer sich der Thematik „Hörbuch“ widmen möchte, hat hier in jedem Fall eine gute Anlaufstelle. Zuletzt gehört habe ich Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky. Hier gefiel mir neben dem sehr guten Inhalt des Buches selbst vor allem die Vertonung von Sandra Hüller. Ihre sehr sanfte, klare Stimme und das angenehme Sprechtempo machten mir das Zuhören leicht und so war ich innerhalb von zwei Tagen durch.

Über Audible können Hörbücher gekauft und bei Nichtgefallen zurückgegeben werden. In der Bibliothek werden alle Dateien gespeichert, sodass die Hörbücher – auch im Offline-Modus – immer wieder angehört werden können. Neben den praktischen Lesezeichen, die gesetzt und einzelne Kapitel die ausgewählt werden können, lässt sich auch ein Schlafmodus einstellen. Die Auswahl der Hörbücher ist sehr vielfältig, sodass sämtliche Genres abgedeckt werden und für jeden Geschmack etwas dabei sein dürfte. Auch Podcasts und Interviews gehören zum Angebot. Die Inhalte können über alle mobilen Geräte abgespielt werden und lassen sich beliebig pausieren.

Trotz der vielen Vorteile die ein Hörbuch zweifelsohne bietet, sind mir Bücher in altbewährter Form am Liebsten.

Die Audbile Trends

Habt ihr schon etwas vom Audible-Atlas gehört? Dort werden die beliebtesten Hörbuch-Genres nach Bundesländern gelistet. Das ist aus persönlicher Sicht vor allem deshalb so spannend, weil ich mich lesetechnisch nicht immer in meinem Bundesland wieder finde. Ich lebe in Baden-Württemberg, wo die hier lebenden Menschen hauptsächlich Ratgeber zu Lebensführung und Gesundheit, sowie Science Fiction favorisieren, was mich gar nicht anspricht. Biografien und Thriller werden nicht übermäßig viel, aber doch gern gelesen. Liebesromane und Humoristisches finden bei den Einwohnern Baden-Württembergs kaum Anklang, was sich wiederum mit meinen persönlichen Präferenzen deckt.

Auf den folgenden drei Abbildungen könnt ihr sehen, dass die Bereiche Biografien und Erinnerungen, Lebensführungs-Ratgeber und Science-Fiction bei den in Baden-Württemberg lebenden Menschen am Besten ankommen. Hier noch einmal die komplette Trend-Übersicht (die hier verwendeten Übersichten stammen von Audible).

map_bildung.jpg
Biografien und Erinnerungen
map_freizeit
Lebensführung-Ratgeber
map_scifi.jpg
Science-Fiction

Spannend ist so eine Übersicht allemal, oder? In den kommenden Monaten werden noch einige Hörbücher mehr folgen, die ich natürlich auch hier rezensieren werde. Vielleicht wage ich mich ja sogar an das ein oder andere Science-Fiction-Buch heran.


*Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Audible. Meine persönliche Meinung ist selbstverständlich davon unbeeinflusst.

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Kommentare

  1. Am Dienstag, Januar 22nd 2019 Buchgefieder sagt:

    Hallo liebe Zeilentänzerin,

    was für ein ausführlicher und wunderbar geschriebener Beitrag zu deinem Leseverhalten. Ich bin überrascht, welche Gemeinsamkeiten wir dadurch haben. Schön, dass deine Mama bereits viel gelesen hat, auch wenn du da noch nicht deine Leselust entdeckt hast. In meiner Familie wurde leider nicht wirklich gelesen, meine Eltern schon gleich gar nicht. Mittlerweile bin ich aber dank meiner Schwester nicht mehr die einzige Leseratte auf meiner Familienseite.

    Ganz liebe Grüße
    Karin

    1. Am Dienstag, Januar 22nd 2019 Zeilentänzerin sagt:

      Ein sehr schöner Kommentar, herzlichen Dank dafür, du Liebe! Schön zu sehen, dass die eigenen Beiträge gelesen werden =) Ja, die Leidenschaft kam bei mir spät, aber sie kam =) Wenn es dich und deine Schwester „erwischt“ hat, ist das doch schon mal was!

  2. Am Dienstag, Januar 22nd 2019 Sarah | Pergamentfalter sagt:

    Hallo!

    Danke für diesen schönen und ausführlichen Einblick in deine Lesegewohnheiten. Ich finde es immer toll, von fremden Lesegewohnheiten zu lesen. Das zeigt mal wieder, wie ein und das selbe Hobby ganz unterschiedlich gehandhabt werden kann.

    Obwohl wir überwiegend verschiedene Genres lesen, konnte ich mich in deinem zweiten Abschnitt selbst wiedererkennen. Für mich braucht es ebenfalls nur einen (einigermaßen) gemütlichen Ort und die Zeit, um in die Geschichte eintauchen zu können. Wenn ich lese, dann am liebsten bis zum Ende eines Kapitels oder wenigstens bis zu einer Doppelseite, die rechts unten mit einem Punkt abschließt, sodass ich umblättern kann und es sich fast wie ein neues Kapitel anfühlt.
    An Hörbücher komme ich selbst überhaupt nicht ran. Wenn ich etwas bewusst höre, muss das Musik sein. Mit Geschichten kann ich in dem Moment wenig anfangen. Trotzdem finde ich es spannend und nachvollziehbar, wie du zu den Hörbüchern gekommen bist!

    Liebe Grüße und ein schönes Restwochenende
    Sarah

    1. Am Dienstag, Januar 22nd 2019 Zeilentänzerin sagt:

      Danke für deine lieben Worte, das freut mich sehr! Hörbücher möchte ich in diesem Jahr definitiv ein paar mehr hören. Hab du auch noch einen schönen Sonntag.

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