*Rezensionsexemplar.

Warum so viel Hass? ist ein aufklärender Band von Leïla Slimani, in welchem ihre Kolumnen und Essays rund um Nationalität, Freiheit und Toleranz versammelt sind. Veröffentlicht wurde das Buch im Frühjahr 2019 im btb-Verlag. 

Sie ist eine gefeierte Autorin und zählt aktuell zu den größten Schriftstellerinnen Frankreichs: Leïla Slimani. Sie selbst ist Immigrantin und lebt seit 1999 in Paris. Nach einem Studium in Medien und Politik, besuchte sie kurzzeitig eine private Schauspielschule. Seit 2008 arbeitete sie als Journalistin für ein Magazin, das sich nordafrikanischen Themen widmete und veröffentlichte 2014 ihren ersten Roman. 

„Hören wir auf, uns hinter einem Pseudo-Respekt der Kulturen zu verstecken, hinter einem zermürbenden Relativismus, der nur die Maske unserer Feigheit, unserem Zynismus und unserer Hilflosigkeit ist. Ich als gebürtige Muslimin, Französin und Marokkanerin sage euch: Die Scharia kotzt mich an.“

In Zeiten von zunehmenden Fremdenhass und von Fanatismus geprägten Ideologien, möchte Slimani wachrütteln, auf Missstände aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen. Dabei betrachtet sie andere Staatsangehörigkeiten, aber auch ihre eigene Herkunft gewohnt differenziert, aber kritisch. Nationalität sei „weder etwas Rühmliches, noch ein Verdienst“.

Im Buch enthalten sind sechs kurze Texte, welche in der französischen Wochenzeitschrift Le 1 erschienen sind. Slimani widmet sich gesellschaftskritischen Fragen, mahnt zur Achtsamkeit im Umgang miteinander und plädiert für mehr Menschlichkeit. Sie erinnert an wahre Privilegien und deren Wert. Neben den Themen Religion, Hass, Freiheit und Fanatismus, liegt der Fokus vor allem auf der unverzichtbaren Verantwortung, die ein jeder von uns erbringen muss, um ein friedvolleres Miteinander, mehr Verständnis und Akzeptanz überhaupt möglich zu machen.

„An diesem Abend aßen alle gemeinsam. Es war keine Rede von Religionen, Überzeugungen oder Nationalitäten. Mein Großvater, der sehr gläubig war, sah überhaupt keinen Widerspruch darin, einerseits den Ramadan einzuhalten und sich andererseits als Weihnachtsmann zu verkleiden. Natürlich wurde gestritten. Manche ereiferten sich. Es gab Tränen und Geschrei. Doch man blieb am Tisch. Man war zusammen. Vereint.


Dieses Jahr in der Normandie, inmitten von Lachen und Gesprächen, habe ich mich gefragt, was meine Generation aus dieser Welt machen wird. Sind wir so stark wie jene, die dafür gekämpft haben, Weihnachten gemeinsam feiern zu können? Wird es uns gelingen, uns über etwas anderes als unsere Religion und unsere Herkunft zu definieren? Wird man immer noch und immer wieder seine Zugehörigkeit unter Beweis stellen müssen? Ich bin Kind all dieser Fremden, und ich bin Französin. Ich bin Immigrantin, Pariserin, eine freie Frau, überzeugt davon, dass man sich selbst behaupten kann, ohne die anderen abzulehnen.“

Obwohl das Büchlein nur 64 Seiten beinhaltet, schafft es Slimani in kompakten Texten wiederzugeben, was wirklich zählt. Sprachlich auf höchstem Niveau, geistreich und immer den Nerv der Zeit treffend, bewegt sie die Massen. Emotional, reif und voller wichtiger Botschaften sind diese Kolumnen ein Muss. Ich fühlte mich beim Lesen durchweg zu Denkanstößen angeregt und war tief gerührt von dem Mut und der Offenheit, die durchweg spürbar sind.

Eine unfassbar inspirierende Persönlichkeit, der es gelingt, sich klar zu positionieren, aufzuklären und zu bewegen.

Leïla Slimani wurde 1981 in Rabat, Marokko geboren. Im Jahr 1999 ging Slimani nach Paris um dort Medien und Politik zu studieren. Ab 2008 arbeitete sie als Journalistin für ein französisch sprachiches Wochenmagazin zu Politik und Wirtschaft vom afrikanischen Kontinent. Für ihren Roman Chanson Douce (dt. Dann schlaf auch du) bekam sie den Prix Goncourt. Slimani lebt in Frankreich.

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Leila Slimani: Warum so viel Hass? Essays und Kolumnen. Le diable est dans les détails. btb-Verlag, Randomhouse, München 2019. 64 Seiten. 8€.

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