Happy ist ein Roman von Doris Dörrie, erstmals im Spätsommer 2002 im Diogenes-Verlag erschienen. Der vollständie Titel lautet Happy – Ein Drama, welcher verrät, dass es sich um eine Drehbuch-Erzählung handelt. Das Buch besteht im Ganzen aus Dialogen zwischen den Protagonisten. Das Buch war Vorlage für den deutschen Kinofilm Nackt (2002). Inhaltlich geht es um die Beziehungsprobleme zweier befreundeter Paare und einem inzwischen getrennten Paar.

Die Handlung spielt in Berlin. Sechs Freunde, jeweils zwei davon miteinander liiert oder verheiratet und alle um die dreißig Jahre alt kommen zu einem Abendessen zusammen. Gleich zu Beginn des Treffens zeigt sich eine spürbare Anspannung, die sich auf alle Beteiligten auswirkt. Die beiden Paare und das frischgetrennte Gespann sind mehr oder weniger unzufrieden mit ihrer Lebenssituation. Während des Abends schlägt einer von ihnen eine Wette vor die Folgen hat.

Emilia und Felix haben sich kürzlich voneinander getrennt. Grund dafür war hauptsächlich das Gefühl beider, ihre erfolgreichen Freunde seien ihnen in Vielem voraus. Bei Emilia und Felix war das Geld immer knapp, was einer der Gründe für immer wieder kehrenden Streit war. Annette und Boris haben nicht übermässig viel Geld, aber auch keine finanziellen Sorgen und auch ihre Beziehung könnte man als zufrieden beschreiben. Dennoch kommt es zwischen beiden immer öfter zu Meinungsverschiedenheiten. Charlotte und Dylan sind miteinander verheiratet und durch das erfolgreiche Geschäft Dylans Millionäre. Zwischen den beiden gibt es vor allem deshalb viel Streit, weil Charlotte glaubt, das viele Geld würde sie nicht freier machen, sondern im Gegenteil, einschränken.

Es ist tatsächlich mein erstes Buch von Döris Dörrie und obwohl mir Nackt etwas sagt, habe ich den Film bis heute leider nicht gesehen. Nachdem ich das Buch gelesen habe, freue ich mich umso mehr, auch den Film anzuschauen. Die Schauspieler, darunter Heike Makatsch und Jürgen Vogel, lassen sich jedenfalls sehen. Die Idee, ein Buch wie ein Drehbuch aufzubauen finde ich sehr spannend und in diesem Fall auch durchaus gelungen. Als Leser muss man sich darüber im Klaren sein, dass das Buch mit seinen 112 Seiten sehr kurz ist. Als die Geschichte beginnt, so richtig Fahrt aufzunehmen, ist sie auch schon wieder zu Ende.

Trotz der Kürze gelingt es Dörrie aus meiner Sicht, die Persönlichkeiten ihrer Figuren in angemessener Breite darzustellen. Die Sprache zeichnet sich durch sanfte Klänge, viel Witz, aber auch Ernsthaftigkeit und Melancholie aus. Bei der Wahl des Themas bedient sie sich an den Beziehungsproblemen junger Menschen in der heutigen Zeit. Sicher können viele behaupten, sich in einigen Aspekten wieder zu erkennen und mit Situationen aus dem Buch in ähnlichen Belangen bereits konfrontiert worden zu sein. Die Geschichte oder viel mehr die Unzufriedenheit, welche die Charaktere durchleben ist dementsprechend sehr menschlich und aus eigenen Erfahrungen nachzuvollziehen.

Ich hätte nichts dagegen gehabt, Annette, Boris, Emilia, Felix, Charlotte und Dylan länger zu begleiten, sodass die Kürze des Buches aus persönlicher Sicht ein winziger Minuspunkt ist. Alles in allem ist es eine sehr gelungene Darstellung der Thematik, die zum Nachdenken anregt, den Nerv der Zeit trifft und Theateratmosphäre verströmt.

Doris Dörrie wurde 1955 in Hannover geboren. Sie studierte Theater und Schauspiel in New York und Kalifornien, USA. Anschliessend entschloss sie sich, Regie zu führen. Ihr Kinofilm Männer wurde ein Welterfolg. Nach großen Erfolgen widmete sie sich Kurzgeschichten, Romanen und Kinderbüchern. Doris Dörrie lebt in München.

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Doris Dörrie: Happy – Ein Drama. Roman. Diogenes Verlag, Zürich 2002. 112 Seiten. 9€.

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