*Rezensionsexemplar.

Der Roman Drei vom israelischen Schriftsteller Dror Mishani erschien 2019 im Diogenes Verlag. Darin wird die Geschichte dreier Frauen behandelt, die eines gemeinsam haben: sie treffen sich mit dem gleichen Mann.

Orna ist ein Enddreißigerin die ihren Sohn Eran über alles liebt und diesem nach der Trennung von ihrem Ex-Mann Ronen, ein möglichst schönes Leben bereiten will. So setzt Orna alles daran, das Erna so unbeschwert wie möglich aufwachsen kann. Über eine Plattform für geschiedene Singles lernt sie Gil kennen, einen Rechtsanwalt, der ihr ein erstes reales Date vorschlägt.

Emilia ist Anfang vierzig, stammt aus Lettland, ist kinder- und partnerlos und arbeitet als Pflegekraft. Nachdem sie jahrelang den liebenswerten Nachum pflegte, der ihr sehr ans Herz wuchs, muss sie sich nach dessen Tod nach einer neuen Stelle umsehen. Als Emilia Hilfe in rechtlichen Fragen sucht, empfiehlt ihr Esther, die Ehefrau Nachums, sie solle sich an ihren Sohn Gil wenden, der Rechtsanwalt sei und ihr sicher helfen könne. Nach ersten Treffen zwischen Emilia und Gil, möchte dieser sie auch außerberuflich näher kennen lernen.

Ella ist Studentin und schreibt gerade an ihrer Master-Arbeit. Sie hat zwei Kinder, ist verheiratet und geht gerne ins Café. Dort begegnet sie zum ersten Mal Gil, mit dem sie sofort ins Gespräch kommt. Nach zunächst unverfänglichen gemeinsamen Zigarettenpausen, stellt sie fest, dass er tiefer gehendes Interesse an ihr hat.

Das Buch überzeugt durch einen einnehmenden Schreibstil, eine fesselnde und spannungsgeladene Geschichte voller überraschender Wendungen. Gegliedert ist der Roman in drei Teile, sodass dem Leser die Portraits aller Frauen zuteil werden. Die sehr feine Beobachtungsgabe Mishanis und sein Sinn für das weibliche Geschlecht sind beeindruckend.

Alle weiblichen Figuren werden in ihren verschiedenen Funktionen und Rollen lebhaft und sehr menschlich dargestellt. Orna als liebevolle Mutter, gekränkte Ex-Frau und sehnsüchtige Liebhaberin. Emilia, die mit Hingabe und Menschlichkeit ihrer Pflegetätigkeit nachkommt und gleichsam verzweifelt auf ein besseres Leben hofft und Ella, die Studentin, welche an ihrer Master-Arbeit feilt, ihre Familie nicht aufgeben will und doch Gefahr läuft, dem Reiz des Unbekannten zu erliegen.

Mishani hat es geschafft, mich mit seiner Geschichte, insbesondere den Figuren, tief zu berühren. Die Spannungsmomente überschlagen sich zeitweilig und die Umsetzung im Gesamten verfügt über viel Raffinesse. Drei verlangt danach, sich als Leser Zeit zu nehmen, denn der Autor hat mehr mit ihm vor, als es zunächst den Anschein macht.

Durchaus auch interessant fand ich persönlich auch, dass die Handlung in Israel spielt und sich die jeweiligen Zeitangaben aus den jüdischen Feiertagen ergeben. So wird deutlich, wo im Jahr sich die handelnden Personen befinden, ohne die klassische Datumsangabe anzuwenden. Des Weiteren wird dem Lesenden dadurch auch ein Stück jüdische Kultur näher gebracht.

Die genauen, detailreichen Beobachtungen, die unvorhersehbaren Geschehnisse und die einfließenden Elemente des Kriminalromans machen Drei zu einem Leseerlebnis der Extraklasse. Für mich ist das Buch mein bisheriges Jahreshighlight 2019.

Dror Mishani wurde 1975 in Cholon, Israel geboren. Er ist Übersetzer und Literaturdozent an der Universität Tel Aviv. Spezialisiert ist er auf die Geschichte der Kriminalliteratur. Mishani lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Tel Aviv.

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Dror Mishani: Drei. Roman. Shalosh. Aus dem Hebräischen von Makus Lemke. Diogenes Verlag, Zürich 2019. 336 Seiten. 24€.

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