Thriller

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Herzensbücher #7
G. Hendricks & S. Pekkanen
The Wife Between Us

Bücher, die nachdenklich machen, fesseln und unter die Haut gehen, die einen nicht mehr los lassen und einen besonderen Platz im Herzen einnehmen, das sind ganz besonders wertvolle Werke. Jeder der gern liest, wird Bücher kennen, die ihm besonders wichtig sind, die ihn geprägt haben und die unvergesslich bleiben. Nennen wir sie doch einfach Herzensbücher. Denn so lautet die wunderbare Aktion von Janika und Sabrina. Die Beiden hatten die schöne Idee, ihren Herzensbüchern mehr Raum zu geben. Dieser guten Sache schließe ich mich (endlich) auch an.

Es ist wieder Zeit für Herzensbücher, denn der 20. des Monats ist erreicht. Obwohl ich sehr selten Thriller lese, greife ich doch hin und wieder zu diesem Genre und manchmal ist auch eine richtig gute Story mit interessanten Figuren und spannender Umsetzung dabei. So der Fall bei The Wife Between Us von Greer Hendricks und Sarah Pekkanen, veröffentlicht im Rowohlt-Verlag.

Vanessas Leben ist seit der Trennung von ihrem Ex-Mann Richard ein Scherbenhaufen. Sie hat aufgehört als der Mensch zu existieren, der sie vorher war und hat nur noch das Ziel, zu verhindern, das Richard seine neue Freundin Nellie heiratet. Die wiederum schwebt auf Wolke sieben, verzaubert von dem Mann an ihrer Seite. Plötzlich aber geschieht Unvorhergesehenes und Nellie beginnt zu zweifeln. Dann ist da noch die dritte Frau im Bunde, die sie beobachtet.

Besonders haben mich die Wendungen in der Geschichte beeindruckt. Die Story wird so aufregend erzählt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte. The Wife Between Us löste in mir eine unglaubliche Faszination aus, was nicht zuletzt am Schreibstil der Autorinnen lag. Zudem sind die Figuren gut gewählt und die Idee ist genial umgesetzt. Wäre jeder Thriller so scharfsinnig und raffiniert geschrieben, wäre es wohl mein bevorzugtes Genre.

Ein Katz-und-Maus-Spiel der besonderen Art. Klug und psychologisch ausgeklügelt, bleibt man als Leser bis zur letzten Seite aufmerksam dabei. Ein böses und großartiges Buch.

★ ★ ★ ★ ★


Teilnahmebedingungen im Überblick

# Die Herzensbücher werden immer zum 20. des Monats auf dem Blog, bei Instagram oder Twitter vorgestellt

# Jeder Teilnehmer beschreibt, warum gerade dieses Buch ein Herzensbuch für ihn ist

# Der Beitrag sollte maximal 500 Wörter haben

# Janika und Sabrina sollten als Gründerinnen natürlich im Beitrag verlinkt werden

Mehr Herzensbücher

Zeilenwanderer, Zeilenzauberwelt, Booktime


Greer Hendricks & Sarah Pekkanen: The Wife Between Us. Thriller. Aus dem Englischen von Alice Jakubeit. Rowohlt Polaris, Hamburg 2018. 448 Seiten. 12.99€.

#buddy-read
Colleen Hoover
Too late

Too late ist ein Thriller der amerikanischen Schriftstellerin und Bestseller-Autorin Colleen Hoover. Erschienen ist das Buch im Frühjahr 2019 im Bold-Verlag bei dtv. Inhaltlich geht es um die Studentin Sloan, die in einer unglücklichen Beziehung gefangen ist und unter ihrem besitzergreifenden Partner leidet. Als sie einem anderen Mann begegnet, versucht sie mehr und mehr auszubrechen. 

Sloan ist eine junge Studentin in den Zwanzigern. Seit über zwei Jahren ist sie mit dem etwas älteren Asa liiert, der Sloan vor allem mit Macht an sich zu binden versucht. Gemeinsam leben sie in deren Haus, sind dort aber nie ungestört, denn Asa arbeitet als Drogenboss und lässt seine Dealer bei sich wohnen. Laute Musik und exzessive Partys sorgen dafür, dass Sloan kaum Schlaf findet und sich immer weniger auf ihr Studium konzentrieren kann. Im Spanischkurs lernt sie unerwartet Carter kennen, der ihr sofort sympathisch und so ganz anders als Asa ist. 

Die Mutter von Sloan ist drogen- und alkoholabhängig, sodass sie nicht in der Lage war, sich um ihre Kinder zu kümmern. Neben Stephen, den sie sehr liebt und der aufgrund einer Behinderung in einem Heim untergebracht ist, hatte Sloan einen weiteren Bruder, der aber verstorben ist. Die trostlose Beziehung zu Asa unterhält Sloan weniger aus Liebe, als viel mehr aus Abhängigkeit. Sloan hat bis auf ihren Bruder keine Familie und auch keinerlei soziale Kontakte. Asa kommt für die Heimkosten ihres Bruders auf, wofür sie ihm so dankbar ist, dass sie dafür bereit ist, ein äußerst grausames Leben zu ertragen.

„…aber ich bin davon überzeugt, dass alles im Leben nichts anderes als Zufall ist. Entweder man überlebt oder man stirbt. Vom ersten Atemzug bis zum letzten wird unsere Reise durch das Leben von Zufall und nicht von Wundern oder göttlichem Eingreifen bestimmt, und es ist scheißegal, wie oft man betet. Es gibt keinen Masterplan. Manchmal liegen zwischen Leben und Tod nur ein paar Zentimeter.“

Carter wird als Undercover-Cop in das Haus von Asa geschleust, um diesem das Handwerk zu legen. Als ihm aber bewusst wird, das Sloan, die junge Frau aus dem Spanischkurs, die Freundin des gefährlichen Drogenbosses ist, gerät sein Plan ins Wanken. Er verliebt sich in Sloan und ist fortan nicht mehr nur beruflich motiviert. Nach und nach spitzen sich die Dinge zu und bald ist ein Zusammenleben mit Asa für Sloan kaum noch möglich. Asa hingegen liebt Sloan wie besessen und sieht sie als seinen rechtmäßigen Besitz, den er nie teilen würde.

Hoover ist bekannt für ihre packenden Geschichten und hat mit Too late auch ein fesselndes, spannendes Buch geschrieben. Von Beginn an ist man als Leser mittendrin in der Handlung und kann das Buch schwer aus der Hand legen. Viel zu aufregend und sich immer wieder überschlagend sind die Ereignisse. Die Partnerschaft von Sloan und Asa ist eine, die sich wohl niemand wünscht. Sie gleicht einem Alptraum und ist furchteinflößend. Asa ist wie vernarrt in Sloan und lässt sie das täglich spüren. Verbale Entgleisungen und sexuelle Grenzüberschreitungen sind an der Tagesordnung. 

Der Schreibstil ist bewegend, die Story berauschend. Sicherlich ist Too late ein ganz anderes Buch, eines, das es so von der Autorin bisher nicht gegeben hat. Leider findet das große Lese-Abenteuer ab Seite 300 ein jähes Ende, denn fortan verliert sich die Handlung in Absurditäten und ist nicht mehr nachvollziehbar. Das Verhalten von Sloan und Carter erscheint mir vollkommen grotesk, die bis dahin verströmende Romantik beider gleitet in kitschige Phrasen ab. Zudem werden Polizeiarbeit und amerikanisches Rechtssystem mehrfach widersinnig dargestellt. Das führte unweigerlich dazu, dass der anfängliche Lesegenuss großer Ernüchterung wich.

Die letzten ca. 150 Seiten werden als Epilog und Epilog vom Epilog gekennzeichnet, was bei mir auch für große Verwirrung sorgte. In Kombination mit diversen Logik-Fehlern, verliert die Geschichte an Authentizität und Spannung. Vielleicht erklären sich diese Ungereimtheiten auch damit, das die Aufzeichnungen für Too late eher zufällig entstanden, der Autorin als Auszeit zwischen ihren anderen Buchprojekten dienten. Anders ist schwer zu erklären, wie das über weite Strecken gelungene Buch im weiteren Verlauf so viele Schwächen offenbart.

Das Buch habe ich in einem Buddy-read gemeinsam mit meiner Lieblings-Buchbloggerin Janika von Zeilenwanderer gelesen.

Colleen Hoover wurde 1979 im texanischen Sulphur Springs, in den Vereinigten Staaten geboren. Ab 2001 widmete sie sich intensiv dem Schreiben. Sie ist New-York-Times-Bestseller-Autorin und hat drei Söhne. 

★ ★ ★


Colleen Hoover: Too late. Aus dem Amerikanischen Englisch von Katarina Ganslandt. Bold Verlag bei dtv, München 2019. 464 Seiten. 14.90€.

Araminta Hall
The Couple – Ihre Liebe ist vorbei, ihr Spiel hat erst begonnen

*Rezensionsexemplar.

Araminta Hall´s The Couple ist ein Thriller, der im Mai 2019 im Heyne-Verlag erschien. Verity und Mike sind nach Jahren immer noch ein Traumpaar. Das zumindest glaubt Mike, der die Trennung nicht akzeptieren kann. Er glaubt, auch nachdem Verity ihn verlassen hat, an eine gemeinsame Zukunft. Verrückt vor Liebe zu ihr verliert er immer mehr den Hang zur Realität.

Verity, genannt „V“ und Mike (im Buch als „Adler“ bezeichnet), waren über viele Jahre ein glückliches Paar, welches in London lebte. Mike hatte eine schwere Kindheit, kam ins Heim und wuchs später bei Pflegeeltern auf, die sich rührend um ihn kümmerten. So gelang es ihm, eine gute Bildung zu erlangen und einen erfolgreichen Job anzutreten. Als er „V“ begegnete, war es Liebe auf den ersten Blick. Verity hingegen kommt aus einem gut behüteten und gebildeten Elternhaus, sodass ihr die steile Karriere quasi in die Wiege gelegt wurde.

Sexualität spielte in der Beziehung von Verity und Mike immer eine wichtige Rolle. So suchten beide nach dem letzten Kick und begannen mit einem Spiel, dem „Crave“. Infolgedessen gehen beide in eine Bar und warten, bis die am Tresen allein sitzende Verity von einem Fremden angesprochen wird, den Mike anschließend in die Flucht schlägt. Angetörnt durch dieses Erlebnis haben die Beiden anschließend in der Bar Spass miteinander.

„Was hat Verity bloß an sich, warum sind alle Jungs dermaßen verrückt nach ihr?“

„Weil sie perfekt ist“. Ich konnte nicht begreifen, wie jemand draufkam, diese Frage auch nur zu stellen.

Um noch mehr Geld zu verdienen als ohnehin schon und um sich mit fünfundvierzig zur Ruhe setzen zu können, nimmt Mike schweren Herzens ein berufliches Angebot aus New York an. Für zwei Jahre lebt er in den Vereinigten Staaten und das Paar führt eine Fernbeziehung. Währenddessen aber lernt Verity den begehrten Junggesellen Angus kennen. Wenig später erklärt sie Mike unter einem Vorwand, dass sie sich trennen möchte und bald darauf erhält dieser auch schon die Hochzeitseinladung von Verity und Angus. Mike aber glaubt fest an die Liebe zwischen ihm und „V“, sodass er all das für ein ultimatives „Crave“ hält und eine gemeinsame Zukunft mit seiner Traumfrau plant. Im Verlauf kommt es zur Katastrophe.

Ein Psychothriller, der entsetzt, mitreisst und mehr und mehr zermürbt. Araminta Hall hat einen Beziehungs-Krimi geschrieben, welcher vor allem durch die instabile Persönlichkeit ihres Protagonisten Mike lebt. Die gesamte Geschichte hindurch werden seine Isolation zur Außenwelt, seine wahnhafte Liebe zu Verity und die latenten Aggressionen, ausgelöst durch seine tragische Kindheit, deutlich. Hall spart nicht an Details, sodass der Leser sich ein genaues Bild machen kann und sich hier und da im Geschehen wähnt.

Die Figur des Mike hat mich nach wenigen Seiten schon völlig entnervt zurück gelassen. Erwartet habe ich eine völlig andere Geschichte und wurde dementsprechend überrascht. Trotz vielem Kopfschütteln und „das-kann-doch-nicht-sein-ernst-sein“, hat mich die Story in ihren Bann ziehen können. Es ist eine ganz neue Idee, die Hall hier zu Papier bringt und thrill-like umsetzt. Auf blutige Szenen wird weitestgehend verzichtet. Die Handlung lebt vorwiegend von ihrem Nervenkitzel und dem Liebeswahn.

The Couple ist ein guter Thriller, der insbesondere tiefenpsychologische Muster nutzt um ans Ziel zu kommen. Ich habe mich durchweg gut unterhalten gefühlt, auch wenn ich mit den Figuren nie ganz warm geworden bin.

Araminta Hall arbeitet als Lehrerin, Journalistin und Autorin. Aktuell unterrichtet sie Kreatives Schreiben in Brighton, England, wo sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt.

★ ★ ★ ★


Araminta Hall: The Couple. Thriller. Our Kind of Cruelty. Aus dem Englischen von Jens Plassmann. Heyne Verlag, München 2019. 416 Seiten. 9.99€.