Mittwoch, März 13th 2019

William Boyd
Blinde Liebe

*Rezensionsexemplar.

Blinde Liebe ist ein Roman von William Boyd, erschienen im März 2019 im Kampa Verlag. Die Geschichte spielt im Zeitraum von 1894 – 1906 an verschiedenen Orten Europas und thematisiert die große Liebe eines schottischen Klavierstimmers zu einer russischen Sopranistin und lässt die Leidenschaft für klassische Musik nicht zu kurz kommen.

Brodie Moncur stammt aus dem schottischen Edinburgh und ist eines von sechs Kindern eines herrschsüchtigen Vaters. Er hat das absolute Gehör und gilt unter den Klavierstimmern deshalb als wahres Ausnahmetalent. Brodie kehrt – nicht nur aus beruflichen Gründen – seiner schottischen Heimat den Rücken und lebt zunächst in Paris um sich dort einen Namen zu machen. Dort lernt er den bekannten Pianisten John Kilbarron kennen, eine schwierige Persönlichkeit. Durch ein gemeinsames berufliches Projekt profitieren beide voneinander und genießen zeitweise ein triumphales Leben in Sankt Petersburg.

Der wahre Hintergrund für seine begeisternde Arbeit mit dem Iren Kilbarron liegt aber weniger an seinem neu gewonnenen Luxus und des musikalischen Talents Kilbarrons, sondern viel mehr an der Geliebten des Klaviervirtuosen, Lika. Obwohl eine Liebe zwischen beiden unmöglich scheint, riskiert Brodie nicht zuletzt sein Leben, um mit Lika zusammen sein zu können. Dabei führt es ihn neben Russland und Frankreich auch nach Italien, Österreich und Indien.

Schau dich nur an, deine Liebe für mich – sie ist blind. Du siehst mich nicht so, wie ich wirklich bin. All die vielen Nuancen von Lika Blum. Das Licht und den Schatten. Du siehst bloß das Licht.

Das Leben für Brodie ist verheißungsvoll und intensiv. Er lernt verschiedene Sprachen, ist erfolgreich in seiner Tätigkeit als Klavierstimmer und lässt sich von der unbequemen Persönlichkeit seines Vaters nicht einschüchtern. Zwischen Brodie und Lika bahnt sich bereits kurz nach dem ersten Aufeinandertreffen eine Liebesbeziehung an. Da Lika aber die Gefährtin von Brodies Geschäftspartner Kilbarron ist, müssen beide ihre Gefühle füreinander und ihre und Treffen geheim halten. Zu allem Überfluss ist da noch Malachi, der Bruder John Kilbarrons, der den Verliebten das Leben schwer macht und Brodies Tuberkulose, die er alsbald nur noch schwerlich in den Griff bekommt.

Ein einzelnes Leben bildet den Mittelpunkt dieser Geschichte. Das Leben eines jungen Mannes, der zwar nicht die besten Augen, dafür aber ein umso besser funktionierendes Gehör besitzt. Das Leben von Brodie Moncur; strebsam, ehrgeizig und liebeskrank. Der flüssige Schreibstil und die berührende, lebendige Erzählung machen den Roman zu einem kurzweiligen Erlebnis, auch wenn das Buch mit seinen über 500 Seiten keine knappe Lektüre ist. Die Charaktere hat Boyd aus meiner Sicht gebührend verkörpert und mitsamt dem Ende ein beeindruckendes Werk geschrieben.

Eine insgesamt sehr berührende Geschichte die große Momente birgt und in einer ereignisreichen Zeit spielt.

William Boyd wurde 1952 in Accra, Ghana geboren. Er ist als Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur tätig und schrieb bereits einige Bestseller. William Boyd lebt mit seiner Ehefrau Susan in London und im Bergerac.

★ ★ ★ ★ ★


William Boyd: Blinde Liebe – Die Verzückung des Brodie Moncur. Roman. Love is Blind. Aus dem Englischen von Ulrike Thiesmeyer. 512 Seiten. 24€.

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